Samstag, 15. Juni 2013

USA-Urlaub: National Mall, Teil 1 in Washington

Soo, wie versprochen, gibt es die ersten Bilder von unseren Streifzügen in der Hauptstadt Washington, D.C. Ich glaube, von unserem Abflugtag abgesehen, sind wir wirklich jeden Tag am Kapitol vorbeigestapft, von welchem aus man auf die so genannte National Mall schauen kann. Die National Mall beinhaltet (umfasst? Keine Ahnung, da sind jedenfalls Dinge drauf!) recht viele Memorials und wird von diversen Museen gesäumt, die wir natürlich auch besucht haben. Da da aber eben auch eine ganze Menge an Besichtigungskrams ist, passt das alles nicht in ein Posting - mehr kommt also noch!

Das United States Capitol ist der Sitz des Kongresses, dort werden die Versammlungen des Senats und des Repräsentatenhauses abgehalten - also ein bisschen mit unserem Bundestag in Berlin zu vergleichen. Eigentlich kann man da auch zu irgendwelchen Touren rein - aber uns war der Hickhack mit hingehen und vielleicht eventuell einen Pass bekommen zu blöd... Es gab auch so genug zu besichtigen!

Also haben wir uns das Capitol nur von außen - aber dafür aus beiden Richtungen - angesehen. Das obere Bild ist sozusagen von der National Mall aus aufgenommen - was man hier nicht sieht ist, dass leider die Treppen abgesperrt waren und man auch nicht bis ganz nach oben zu dem Säulenaufbau gehen konnte (die Absperrungen wurden nämlich auch noch von der Polizei bewacht). Aber auch so finde ich das Kapitol ziemlich beeindruckend - und habe mich auch recht schnell gefragt, wer dieses Riesengebäude eigentlich saubermacht und blitzeblank putzt, damit es immer schön weiß strahlt... Es ist schon ganz schön beeindruckend, vor diesem Gebäude zu stehen - die Amis haben die Superlative einfach drauf!
Der Blick von der eigentlichen Vorderseite zeigt hier nur den zentralen Teil des Kapitols - links und rechts sind da nochmal vorgezogene Anbauten, die wohl auch zentrale Zugänge zu irgendwas darstellen; zumindest sind da ganz viele geschäftige Menschen rein- und wieder rausgegangen und wurden mit Argusaugen von zahlreichen Polizisten beäugt. Witzig auch, dass der riesige Platz davor weitgehend leer war - wenn man von diversen Polizeifahrzeugen mal abgesehen hat. Alle, die darüber gegangen sind, haben sich unglaublich beeilt, um nicht so sehr aufzufallen und im Mittelpunkt zu stehen.

Theoretisch könnte man von der Rückseite des Kapitols aus direkt bis zum Lincoln Memorial gucken - wenn da nicht so ein dicker Obelisk im Weg stehen würde. Das ist das Washington Monument, welches zu Ehren des ersten Präsidenten, George Washington (na, wer errät jetzt, woher das Monument seinen Namen hat? *hust*), errichtet wurde.

Insgesamt ist der Turm 169,294 m hoch und theoretisch gibt es da eine Besucherebene, von der aus man sich wohl einen guten Blick über die National Mall verschaffen kann - aber wie man gut an der Basis des Bauwerks sieht, wird da noch fleißig instand gesetzt. Seit einem Erdbeben und einem Hurricane im Jahr 2011 ist das Teil jedoch für Besucher gesperrt, weil die Konstruktion wohl ein paar zentrale Schäden genommen hat... Angeblich soll es 2014 wieder geöffnet werden - aber wir wissen ja von diversen Beispielen (*hust* Flughafen Berlin *hust* Elbphilharmonie Hamburg *hust*), dass man solchen Hochrechnungen nicht immer glauben kann.

Wir sind vom Kapitol aus "rechts rum" gegangen und haben uns das Vietnam Veterans Memorial angesehen. Diese Gedenkstätte wurde zu Ehren derjenigen errichtet, die im Vietnamkrieg gefallen sind oder als Folge davon als vermisst gelten. Aus der Ferne wirkt das Memorial gar nicht so beeindruckend - aber wenn man sich überlegt, wie viele Namen auf den auf- und dann wieder absteigenden Tafeln graviert sind, wird einem ein bisschen mulmig. Ich fand die Kriegs-Denkmäler in Washington sehr beeindruckend, aber auch sehr zwiespältig... An allen Stellen wird der Respekt den Verstorbenen gegenüber betont - und auf der anderen Seite wir das Ganze sehr publikumswirksam "ausgeschlachtet".

Mich haben diese Mauern sehr betroffen gemacht, auch wenn ich ja eigentlich keinen Bezug zu diesem Krieg habe... Aber als ich vor diesen schwarzen Tafeln mit der weißen Schrift stand, mir einige Namen durchgelesen habe - ist mir nicht nur ein eiskalter Schauer den Rücken heruntergelaufen...

An einigen Stellen haben Angehörige Fähnchen oder Blumen hinterlassen, um ihren Respekt und ihre Trauer auszudrücken. Und auf der anderen Seite stellen sich Menschen grinsend mit hochgestreckten Daumen vor die Tafel und lassen sich so fotografieren...

Auf den 150m Memorial Wall (jeweils 75m, ansteigend von 20cm bis hin zu 3,08m) sind insgesamt 58.272 Namen eingraviert. Auch das ist eine Zahl, die man erst einmal irgendwie fassen muss; man mag von diesem Krieg halten, was man will - er hat auf jeden Fall eine Unmenge an Opfern (auf beiden Seiten!) gekostet...

Die Namen sind mit einem Stern oder einem Kreuz gekennzeichnet, wobei der Stern für einen Gefallenen, das Kreuz für einen Vermissten steht. Theoretisch würden Vermisste, die wieder aufgefunden wurden, mit einem Kreis um ihr Kreuz gekennzeichnet - jedoch ist das bisher nicht vorgekommen...

Hingegen hat man durchaus die Überreste von bisher Vermissten gefunden, welche dann entsprechend mit einem Stern übergraviert wurden.

Einen Überblick über alle Namen kann man sich in den Büchern verschaffen, die vor Regen geschützt ausgestellt sind - damit man Angehörige auch zügig auf einer der Tafeln ausfindig machen kann.

Was ich ein bisschen seltsam fand war, dass in Washington "alle" schrecklichen Geschehnisse so zentriert und gesammelt sind - und das, obwohl die Stadt selbst keinerlei konkreten Bezug zu den Vorkommnissen hat. Weder der Vietnam-, noch der Korea- oder zweite Weltkrieg haben "in Washington" (noch nichtmal in den USA!) stattgefunden (jetzt mal von wenigen Angriffen abgesehen). Dennoch hat man beschlossen, an dieser Stelle einen Haufen an Gedenkstätten zu setzen.


Ob das nun genau dazu dienen soll, dass man respektvoll und besonnen der schrecklichen Dinge gedenkt, oder eher den Nationalstolz unter Beweis stellt, will ich mal lieber nicht hinterfragen...Auf mich wirkten die Gedenkstätten jedenfalls sehr zwiespältig - befremdlich, beeindruckend, erschreckend, beklemmend. Und wenn ich mir die Bilder dazu ansehe, weiß ich immernoch nicht, was ich genau davon halten soll...

Am Vietnam Veterans Memorial gibt es nicht nur die Memorial Wall, sondern auch einen Fahnenmast, der im Sockel die Embleme von Army, Navy, Air Force, Marines und der Coast Guard enthält, die jeweils der Gefallenen der eigenen Streitkräfte gedenken.

Zusätzlich wurde allerdings erste in den 80er Jahren noch eine Bronzestatute hinzugefügt, die "The Three Soldiers" oder teilweise auch "The Three Servicemen" heißt und drei Soldaten in typischer Vietnam-Kluft zeigt (einen Weißen, einen Afro-Amerikaner und einen Latino). Anscheinend gab es da irgendwelche Unzufriedenheiten mit der Memorial Wall und man beschloss, das Memorial um eine traditionellere Komponente, also eine Statue, zu erweitern. Ich persönlich hätte sie nicht gebraucht - wobei der Aufbau durchaus wirksam ist, die Soldaten schauen nämlich zur Memorial Wall...

Vom Vietnam Veterans Memorial ging es für uns trotz des schönen Wetters doch mit ein wenig gedämpfter Stimmung weiter zum Lincoln Memorial. Abraham Lincoln war der 16. Präsident der Vereinigen Staaten und hat gleich mal einen ordentlichen Prachtbau bekommen - na, wen wundert es, dass er natürlich eine ganze Menge Säulen abbekommen hat? (Genau gesagt sind es 36, die für die 36 Staaten stehen, aus denen zu Lincolns Zeit die Vereinigten Staaten bestanden)
Auch hier blitzt und blinkt alles in einem reinen Weiß - auch da hat man ordentlich in die Marmorkiste gegriffen und ich muss sagen, das hat eine unglaubliche Wirkung. Wie man am Himmel sieht, hatten wir wirklich wunderschönes Wetter und gerade im Sonnenschein stach dieser riesige weiße Tempel unglaublich aus der Landschaft hervor (das Washington Monument wirkte dagegen ein bisschen grau - aber das hat auch nicht so viel Masse).

Im Inneren sitzt dann der gute Abe - natürlich auch aus Marmor, mit seinen 5,80m durchaus imposant und wie man sieht blitzeblank. Im "Untergeschoss" des Memorials gibt es noch ein Museum, das sich mit dem Leben Lincolns auseinandersetzt - aber dummerweise waren wir zu einer Zeit da, als gerade geschlossen war (wir hatten aber auch ein Glück...).

An den Seiten des Tempels sind einerseits die Gettysburg Address, also die Rede, die Lincoln zur Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Bürgerkriegsschlachtfeld Gettysburg gehalten hat, eingraviert (wen der genaue Wortlaut interessiert, der nutze Google); auf der anderen Seite findet sich seine zweite Antrittsrede von 1865. Das Memorial ist sehr stimmig und eindrucksvoll - gerade, wenn man in diesen weißen Hallen steht und sich die überdimensionierte Figur sowie den Wortlaut der Reden durchliest und sich das Ganze noch in der damaligen Zeit vorstellt...


Der gute Lincoln hat allerdings von seinem Thrönchen aus einen phänomenalen Ausblick - wie schon erwähnt geht der direkt in Richtung Kapitol und wird vom Washington Monument "blockiert". Das Monument wäre aber natürlich für sich gesehen nicht genug - nein, man hat da noch ein Wasserbassin davorgesetzt und es (wie gefühlt jede Pfütze, die an irgendeinem Memorial oder Monument zu finden ist!) als "Reflecting Pool" betitelt.

Logisch, in Wasser spiegeln sich Dinge nunmal - aber ich gebe zu, wie bei so vielen anderen Denkmälern, hat auch diese Spiegelung so ihren Reiz... Allerdings behaupte ich mal, dass es so wirklich richtig windstill sein muss, damit man ein perfektes Abbild des Obelisken im Wasser sehen kann. Nichtsdestotrotz - der Blick vom Lincoln Memorial aus ist wunderschön... Wenn die Bäume nicht mehr so kahl sind, sondern blühen, stelle ich mir das auch wahnsinnig idyllisch vor, da kann man Abe nur beneiden!

Wir sind dann auf der (vom Kapitol aus gesehen) linken Seite weitergegangen, um uns die näheren Memorials noch anzusehen. Aus der Schräge betrachtet kriegt man auch das Kapitol mit dem Obelisken aufs Bild - und kriegt trotz der Verzerrung durch die Perspektive doch einen kleinen Eindruck davon, welche Ausmaße das alles hat...

Schön ist, dass man auf den Wegen zwischen den einzelnen Gedenkstätten wirklich noch ein bisschen Zeit hat, sich Gedanken zu machen und zu überlegen, was diese Denkmäler so bei einem auslösen... Sicher, Lincolns Tempel löst jetzt nicht wirklich eine emotionale Krise aus - aber das Vietnam Denkmal fand ich schon sehr aufwühlend. Man kann sich diese Mahnmale auch alle "nur" angucken und sie abknipsen - aber das ist ja nicht der Sinn dahinter, wenn man einer menschlichen Tragödie eine Gedenkstätte widmet...

Mir ging das alles ein bisschen an die Nieren und gleichzeitig fand ich diese Zurschaustellung ein bisschen unpassend - eine seltsame, ungewohnte Kombination auf jeden Fall und davon hatte Washington noch einige mehr zu bieten... Aber dazu im nächsten USA-Post Näheres!

Kommentare:

  1. Ich kann dich gut verstehen. Zum Einen ist man beeindruckt, zum Anderen getroffen. Und dann überlegt man, ob man dieses konzentrierte "Los, erinner dich und gräme dich und vergiss es nicht wieder!" so braucht. Oder ob es mit vereinzelten Mahnmalen den betroffenen Menschen mehr Ehre verschafft...

    LG Lotte

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    1. Ja, es ist vor allem seltsam, dass das wirklich so massentouristisch ausgeschlachtet wird - da fehlt dann doch der Respekt, wenn alles wild durcheinanderkreucht, Fotos macht oder sogar Schulklassen unterwegs sind... Das ist so ein bisschen surreal, was den Anspruch und die Wirklichkeit angeht.

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  2. Ich war vor 2 Jahren auf einem Soldatenfirdhof der USA in der Normandie. Bzw ist das wohl DER Soldatenfriedhof der USA aller Gefallenen in der Normandie/Frankreich.

    Ist sehr pompös... Christen haben ein Kreuz als Grabstein und Juden einen Davidstern. Aus blendend weißem Stein.
    Der Friedhof liegt direkt am Meer und es führt eine Treppe rutner an den Strand.

    Das war schon sehr faszinierend und beeindruckend, und bei der Masse an Grabsteinen auch beklemmend.
    Was aber ziemlich unschön ist: Die Kommentare der Amis zu den "fucking Germans". Und zwar nicht nur auf das "damals" bezogen sondern auf das JETZT.
    Die plappern da schön auf Englisch rum weil die Franzosen verstehen das ja nicht... Dass Deutsche aber sehr wohl gut Englisch sprechen (können) raffen die nicht. Ich war ein paar mal kurz davor, auszuflippen.
    Viele Amerikaner haben ein merkwürdiges Verhältnis zu Krieg...

    Aber:
    Vielen Dank dir für die schönen Bilder!
    Ich bin zufällig auf deinem "Sofa" gelandet und werde mich gleich mal niederlassen... ;-)

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    1. Hallo Silberblut,

      freut mich, dass die Bilder dir gefallen :)

      Ich war im Urlaub auch auf dem Friedhof in Arlington (Bericht dazu kommt auch noch) und fand es da auch sehr beeindruckend und beklemmend, vor allem, aufgrund der Masse an Grabsteinen....

      Dieses seltsame Verhältnis zu Krieg scheint wirklich recht verbreitet zu sein - ich habe da so diverse, sehr seltsame Kommentare mitbekommen, die zwar nicht eindeutig gegen die Deutschen gerichtet waren, aber doch nicht unbedingt darauf hingedeutet haben, dass man sich ernsthaft mit der Kriegsproblematik auseinandergesetzt hat... Schon alles etwas komisch da überm großen Teich ;)

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  3. Washington war damals meine zweite Station, nachdem ich als Intern 6 Monate in Philadelphia gewohnt hatte. Ich fand die Stadt super interessant mit all den riesigen Gebäuden und ich war einen halben Tag im National Air and Space Museum.
    Ich habe ein Event in toller Erinnerung behalten, das Traveling Food Truck Festival an der Capitol River Front, als ich wieder zurück war habe ich sogar meine Masterarbeit über die Geschichte der Food Trucks in USA geschrieben. Neulich habe ich gelesen, dass es jetzt Food Trucks auch in Deutschland gibt, in Schwaben, leider also etwas weit weg für mich!

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    1. Wie nur ein halber Tag im National Air and Space? ;) Da haben wir deutlich länger zugebracht, da gibt es wirklich megaviel zu sehen :)

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