Donnerstag, 16. Mai 2013

USA-Urlaub: Independence Hall und National Constitution Center in Philadelphia

So, heute habe ich mal wieder ein bisschen Zeit und kann euch weiter auf meiner USA-Reise mitnehmen. Wir sind inzwischen in Philadelphia, Pennsylvania - einer historisch wahnsinnig relevanten Stadt, die aber bisher in meinem USA-Bewusstsein gar nicht so hoch angesiedelt war. Wir hatten zwei volle Tage (plus einen halben von der An- und einen halben bei der Abreise) für Philly eingeplant und mussten die natürlich gut nutzen.

Für den ersten Tag in Philly hatt D. schon von Deutschland aus eine Tour für die Independence Hall gebucht, also mussten wir früh zum Visitor Center stapfen und unsere Tickets abholen. An diesem Tag meinte es Petrus nicht gut mit uns, es war grau, kalt und regnete wie blöde. Zu unserem Glück wollten wir auch hauptsächlich Dinge besichtigen, die drinnen waren!

Im Independence Visitor Center begrüßte uns dieses knuffige Tierchen namens "Liberty Bellie" (die Amis haben es halt doch ein bisschen mit Wortspielen - die Liberty Bell ist nicht allzu weit weg und einen Bellie hat das grüne Etwas auch!); generell gibt es in dem Center auch wirklich eine Menge an Infos, die Ranger sind sehr herzllich und freundlich und versorgen einen mit allen möglichen Informationen zu Attraktionen, Anreise, optimalen Zeiten - da wird Service sehr groß geschrieben, obwohl viele Dinge kostenlos sind (unsere Tour hat uns auch nichts gekostet). Es gibt Stadtpläne und sonstige Touri-Hinweise - auf jeden Fall sehr gut geeignet für einen ersten Überblick über die historischen Aspekte der Stadt.

Independence Hall ist der "kleine" Gebäudekomplex vor den Hochhäusern - und da sieht man schon auch, welche Gegensätze in Philadelphia aufeinandertreffen: Neben bedeutsamen historischen Stätten findet man auch moderne, verglaste Büro- und Wohnkomplexe Tür an Tür mit kleinen niedlichen Backsteinbauten.

Independence Hall hieß früher eigentlich Pennsylvania State House und war der Regierungssitz in Pennsylvania. In diesen Mauern wurden unter anderem 1775 George Washington zum General der Armee ernannt, 1776 die Unabhängigkeitserklärung verabschiedet und 1781 die Verfassung der Vereinigten Staaten entworfen - das Gebäude hat die Geschichte also nur so in sich aufgesogen! Im Glockenturm hing von 1753 die Liberty Bell, die jetzt in ein paar Meter Entfernung in einem eigenen Pavillion ausgestellt wird - die wichtigsten Sachen zur Unabhängigkeitserklärung also auf engstem Raum.

Vor unserer geführten Tour mussten wir ein bisschen warten und wurden dabei auch dezent nass - aber was tut man nicht alles, um von einem netten Ranger durch die heiligen Hallen geführt zu werden? Zugegeben - alleine wäre ein Rundgang wohl langweilig gewesen, denn es gibt im Inneren nicht allzu viel Spannendes zu sehen. Die Räume sind historisch aufbereitet, sodass man z.B. den Versammlungsraum mit Tischen und entsprechenden Unterlagen anschauen kann, das bekommt allerdings erst durch die Geschichten dazu Würze - und das hat unser Guide auch gut hinbekommen.

Er war zwar nicht so ein Scherzkeks wie Brian, aber auch mit Herzblut dabei - nur eben eher von der historisch-bedeutsamen Seite. Dennoch fand ich die Tour interessant und habe interessiert auch die kleinen Geschichtchen neben den zentralen Ereignissen gerne mitgenommen - ich gestehe, dass die Geschichte der USA zu meiner Schulzeit nicht im Ansatz mal angesprochen wurde...

Nachdem wir durch alle Räume durch waren, konnten wir noch in einem separaten "Dunkelraum" einen genauerern Blick auf, wenn ich es noch richtig erinnere, eine von den fünf "Originalkopien" der Schriftstücke der Verfassung werfen (deswegen ist sie auch nicht richtig unterschrieben). Hei nun - beleuchtetes Papier in einem dunklen Raum, schwer zu entziffern und zu fotografieren - aber gut, immerhin habe ich sie jetzt mal gesehen...

Interessanter waren dann natürlich die Infos zur Entstehung und dem ganzen Prozess, die uns auch wieder von einem Ranger nahe gebracht wurden. Hier kamen dann noch diverse Anekdoten zu Tage, welche Schriftstücke wann wo und wie wieder aufgetaucht sind - vom Klassiker, dass die Dokumente als Leinwand für Bilder oder als Packpapier im Umzug benutzt wurden, war wohl alles dabei... Aber gut, zu welchem wichtigen Schriftstück gibt es diese Geschichten wohl nicht?

Als wir von der Verfassung genug gesehen hatten, ging es weiter nach nebenan zur Liberty Bell, um die sich mindestens genau so viele mystische Geschichten ranken...  Als Inschrift trägt sie "Proclaim liberty throughout all the land unto all the inhabitants thereof." (Teil von Levitikus 25:10) - und man behauptet, sie wurde geleutet, als die Unabhängigkeitserklärung zum ersten Mal der Öffentlichkeit verkündet wurde.

Ein Riss war schon bei ihrer Ankunft in Philadelphia vorhanden, deswegen wurde die Glocke von zwei ortsansässigen Schmieden neu gegossen - der Klang war jedoch wohl nicht so phänomenal, also wurde sie erneut eingeschmolzen und neu gebaut, sozusagen Version 3.0. Die war jedoch auch nicht so phänomenal, denn irgendwann Anfang des 19. Jahrhunderts machte sich dann der endgültige Riss bemerkbar und die Glocke funktionsunfähig.

Wann auch immer sie wirklich kaputt ging - sie ging ab 1847 auf Reise und wurde somit zu einem Symbol für die Unabhängigkeit. Ich war ehrlich gesagt nur mäßig beeindruckt - das ist halt einfach eine eher kleine Glocke, die kein besonderes Äußeres hat; die hohe historische Bewandnis spreche ich ihr ja gar nicht ab - wobei die ja auch auf sehr vielen Mythen beruht... Aber gut, das Glöckchen kann ich auf meiner Liste jetzt abhaken!

Nach dem Glockenbesuch stapften wir durch den Regen zum National Constitution Center - im Prinzip ein Museum, das sich mit der Verfassung, ihrer Entstehung und Bedeutung für das heutige Amerika befasst. Leider durfte man dort nur in der Sonderausstellung zur Prohibition (1920 bis 1933) fotografieren, die wir uns auch zuerst angesehen und uns dabei köstlich amüsiert haben!

Das National Constitution Center ist insgesamt sehr interaktiv aufgebaut - man versucht eben, besonders den Kindern die Geschichte des Landes nahe zu bringen und eben vieles spielerisch zu gestalten. So gab es an Touchscreens einen "Bist du pro oder contra Prohibition?"- Test, bei dem man durch Zustimmung oder Ablehnung einiger Aussagen entweder dem "dry movement" oder den "wets" zugeordnet wurde.

Die tatsächlichen Abläufe wurden wirklich anschaulich und mit viel Liebe zum Detail dargestellt - sei es durch damalige Banner, Poster und Informationsbroschüren oder durch ein Spielchen, bei dem man auf einem Monitor als Polize die Schmuggler in einem Fluss abfangen musste... Die Ausstellung hat definitiv Spaß gemacht und zugleich auch wichtige historische Personen, ihr (teilweise abstruses) Verhalten und die Konsequenzen dargestellt. Ich fand ja z.B. die Ausführungen zu den Folgen von Alkoholismus bei Meerschweinchen (!!!) phänomenal - ich möchte ja nicht wissen, wie die armen Meerschweinchen zu Alkoholikern gemacht wurden, aber einfach diese gedankliche Brücke war hammermäßig!

Auch wenn das die einzige Ausstellung war, in der wir Fotos machen durften, gab es auch in den anderen Teilen tolle Dinge zu sehen. 

Am meisten beeindruckt war ich von "Freedom rising", einer ein-Mann-Vorführung, die in dem 360°-Theater gezeigt wurde. Unsere (sehr passenderweise schwarze) Schauspielerin war unglaublich beeindruckend, zeigte eine wahnsinnige Präsenz und hat es geschafft, einen so richtig mitzunehmen - wenn einem bei dem Satz "We the people" eine Gänsehaut über den ganzen Körper läuft, hat man definitiv etwas richtig gemacht!

Das Stück handelt von der Geschichte der Verfassung (ja, schon wieder!) und wird nicht nur nett in Szene gesetzt, sondern auch durch Musik und kleine Filmszenen, die am Rand des Theaters gezeigt werden (schwierig zu beschreiben...), begleitet. Ich war wirklich hin und weg, weil es diese eine Frau einfach so gut hinbekommen hat, eine Atmosphäre zu schaffen, die einen richtig in ihre Erzählung und die Geschehnisse der damaligen Zeit hineinversetzt. Wer da mal hinfährt: Dringendst angucken!


Ansonsten war auch der weitere Teil des Museums sehr interaktiv aufgebaut - man konnte an "Fake votings" der unterschiedlichsten Präsidenten gegeneinander teilnehmen, deren Ergebnisse dann auch entsprechend gezeigt wurden (man konnte z.B. bei Eisenhower gegen Clinton abstimmen). Auf diese Weise wurde auch versucht, den Kindern (oder eben anderen Besuchern) nahezubringen, was zentrale Punkte der Parteiprogramme waren oder wann wichtige Änderungen in Kraft traten (z.B. das Frauenwahlrecht).

Auch wenn das Museum eigentlich mit Faktenwissen und Details vollgestopft war - es war überhaupt nicht langweilig, sondern hat viel Spaß gemacht. Sicherlich, ich habe nicht einmal 10% dessen mitgenommen, was da alles gezeigt wurde - aber man hat einen ersten Einblick in viele Aspekte der Materie bekommen und das fand ich wirklich gelungen!

Auf dem Rückweg zum Hotel schauten wir noch in ein paar Läden rein und haben uns dann nur noch etwas zu Essen gesucht - in der Hoffnung, dass der nächste Tag besseres Wetter bringen würde...

Kommentare:

  1. Ich muss ehrlich sagen, Philly wäre für mich gar nicht auf dem Schirm gewesen... Und ich weiß nicht, ob ich es dann bereut hätte. ;) Finde es aber wirklich tapfer von euch, wie ihr den "Stoff" durchzieht. Das ist ganz schön viel Tobak. ^^

    LG Lotte

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    1. Ich hatte irgenwie eher Baltimore eingeplant, aber D. meinte dann, dass Philly ja historisch so relevant wäre... Und da da vieles sehr nett aufbereitet und eben nicht zu trocken war, fand ich das gar nicht schlimm :)
      Aber sicher, da war schon einiges an Programm - war allerdings auch so eingeplant. Und Philly würde ich nicht missen wollen ;)

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  2. Als ich in der Vorschau Deines Posts das 'grüne Vieh' sah, hab ich mir erstmal überlegt, was ich denn da für einen komischen Blog auf meiner Leseliste habe. Seltsame Beauty-Tips ;DD.

    lg
    Elena

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    1. Also wirklich - Liberty Bellie ist doch DAS Schönheitsideal schlechtin! Perfekter Teint, das AMU sitzt, das Farbkonzept der Klamotten ist perfekt abgestimmt *hust* ;) Ich würde mir den auch ins Wohnzimmer stellen :P

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    2. Ja ich auch. Aber nur wenn Du mir verrätst, welchen Lippenstift der trägt.

      Ach, übrigens, kann der irgendwas 'speien'? Sieht so aus, als ob der sowas wie'ne Düse im...äh....Rüssel hätte.

      Liebe Grüße,
      Elena

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    3. Lippenstift, äh... Ich glaube, der ist so nude, dass man den gar nicht erkennen kann *hust*!

      Nein, soweit ich weiß, speit der nix^^ Ich glaube, der Rüssel ist für übergroße Begrüßungsknutscher gedacht ;)

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