Montag, 20. Mai 2013

USA-Urlaub: In Philadelphia unterwegs

Während wir bei unserer "History-Tour" durch Philadelphia mieses Wetter hatten, gab es am nächsten Tag strahlenden Sonnenschein (okay, ein paar kleine Wölkchen waren da am blauen Himmel). Da ich auf dem Weg zum Zoo und danach ein paar schöne Fleckchen entdeckt habe, gibt es die heute - Amerikas ersten Zoo gibt es dann beim nächsten Post!

Die South Street bildet die südliche Grenze von Center City und war ganz zu Beginn logischerweise die Grenze der Stadt. Die Straße ist gute vier Kilometer lang, von denen ich allerdings nur etwa die Hälfte abgelaufen bin - hat aber auch gereicht. In der South Street sind zahlreiche Restaurants, Bars und Take-aways zu finden, die für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack etwas zu bieten haben... Im Prinzip reiht sich da Essgelegenheit an Essgelegenheit und man weiß gar nicht so recht, wofür man sich entscheiden soll.

Neben Restaurants gibt es auch noch eine Menge an kleinen Lädchen in der Straße: Souvenir- und Kleinkramläden, die esoterisch angehaucht sind und Edelsteine, Traumfänger und eine Unzahl an Figürchen verkaufen; Klamottenläden, die eher legere oder vintage Sachen abseits vom Mainstream anbieten und ein paar Shops, die in die Kategorie ab 18 fallen.

Der multikulti-Flair der Straße macht sich auch an der Gestaltung der Gebäude bemerkbar, vieles flippig und ungewöhnlich - wie auch die Mauer und das angrenzende Haus, an denen sich jemand künstlerisch ausgetobt hat und alle möglichen Materialien verarbeitet hat - Glasflaschen alte Räder, Ziegelsteine, aber auch hüsche Mosaiksteinchen sind da verarbeitet. Ich fand die Straße sehr nett, das Publikum war recht abwechslungsreich, von jungen Leuten über Familien bis hin zu Älteren war wirklich alles dabei - aber auch alle eher alternativ ausgerichtet, den typischen "Spießer" sucht man da lang.

Das Ende der South Street im Osten ist die Front Street, die erste Straße am Delaware River. Der Blick zurück Richtung South Street zeigt einem auch, dass dieser Teil der Stadt nicht der modernste ist - wirklich hohe Gebäude sucht man da nämlich vergebens, die Häuschen sind alle recht überschaubar, niedlich und teilweise auch sehr knuffig.

In meinem Rücken ist noch die Brücke über den Highway (zumindest glaube ich, dass es einer ist), die dann auf eine kleine Aussichtsplattform auf den Fluss führt - aber leider war da der Ausblick ziemlich langweilig, also bin ich dann die Front Street entlang nach Norden gewandert, an Penn's Landing vorbei, so langsam wieder zum Hotel zurück. Da die großen Straßen nicht so wirklich spannend waren (kannte ich teilweise schon und auf Shopping war ich eh nicht aus), habe ich mich ein bisschen in die Gässchen geschlagen und mich da umgesehen - und Gässchen ist da teilweise auch wirklich der richtige Begriff. Teilweise passt da nicht einmal ein Auto durch!

Ansonsten erinnerte mich der Weg auch wenig an das "typische" Amerika - viele Backsteinhäuschen, die nicht sonderlich hoch waren und ihre beste Zeit schon hinter sich hatten, teilweise sogar noch Kohlenkeller... Solche Viertel findet man bei uns auch teilweise noch und sie zeigen auch deutlich, dass Philadelphia nicht zu den jüngsten Städten gehört, sondern eben auch Geschichte hat, die dann nicht plattgewalzt und umgebaut wurde.

Mir sind viele ältere Menschen und Familien entgegengekommen und ich fand die Gegend unglaublich nett - und wenn man bedenkt, dass sie recht nah am Zentrum ist, in dem sich eben doch die Wolkenkratzer breit machen, ist das bemerkenswert. Philadelphia wurde mir zugegebenermaßen immer sympathischer und ich fand es schade, dass wir nur so wenig Zeit hatten und uns außer Center City nicht wirklich viel ansehen konnten... Aber gut, dann eben beim nächsten Mal (was ich nicht alles beim nächsten Mal sehen will *hust*...)!

Natürlich ließ auch dieses Mal ein historisch relevanter Punkt nicht auf sich warten - an einer Kreuzung in der Third Street wies ein Schild darauf hin, dass so in etwa an dieser Stelle mal eine Druckerei stand, in der "Common sense" in seiner ersten Auflage gedruckt wurde. Thomas Paine begann 1775 die Arbeit an seiner 48seitigen Abhandlung, die die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten forderte. 1776 wurde es dann zunächst anonym veröffentlicht (war ja alles nicht so ungefährlich als Revolutionär) und schlug ein wie eine Bombe - der Rest ist inzwischen Geschichte.

Leider ist außer diesem Schild nicht wirklich viel erhalten geblieben - inzwischen stehen da halt andere Gebäude, aber ich fand den Hinweis ganz nett und gestehe: Ich habe erst im Nachhinein nachgesehen, was es denn so mit dem "Common Sense" auf sich hatte... Übrigens war das auch das einzige Schild, das mir insgesamt so aufgefallen ist - mag jetzt auch daran gelegen haben, dass ich nicht allzu viel Gelegenheit hatte, mich weiter in Philly umzusehen...
Auf diesem Bild sieht man ganz hinten das Philadelphia Museum of Art, das wir dann aus Zeitmangel mal nicht besucht haben. Vom Benjamin Franklin Parkway aus liefen wir genau auf das Museum zu und fragten uns erstmal, warum denn an beiden Seiten lauter Flaggen hingen - den Grund dafür habe ich immer noch nicht herausgefunden, aber das macht die Straße (neben zahlreichen Skulpturen, die da so rumstehen) bunter und auch ein bisschen interessanter - ein bisschen Raterei, was denn das gerade für eine Flagge sei, hat uns den Weg vertrieben (wobei das Raten einfacher wurde, als wir feststellten, dass die Reihenfolge alphabetisch war...).

Am Ende des Benjamin Franklin Parkway erwartete uns dann das Eakins Oval mit dem Washington Monument, das von Rudolf Siemering entworfen wurde, und dahinter das Philadelphia Museum of Art.
Uns interessierten diesmal nicht die grandiosen Werke, die innerhalb des Museums zu finden waren - zugegebenermaßen hatte ich auch ein bisschen Pause von der ganzen Kunst nötig; nein, wir waren auf viel profanere Dinge aus! Die Stufen des Philadelphia Museum of Art sind nämlich die "Rocky Steps", die unser guter alter Freund Sylvester Stalone in den Filmen hochsprintete. Hat bestimmt jeder schon mal gesehen - wenige (wie ich *hust*) wirklich realisiert oder sich dafür interessiert, aber D. war da Feuer und Flamme - also sind wir ein Mal die 72 Stufen hochgelatscht. Gemütlich, keineswegs gesprintet (das wäre mir doch zu blöd gewesen).
Oben angekommen gibt es sogar einen Abguss der Turnschuhe, vorsichtshalber mit Namen versehen, damit man ja auch weiß, um wen es da geht... (Und wir hätten den Abguss fast übersehen, wie peinlich!) Wie man sieht, hatte Rocky definitiv größere Füße als ich...

Am Fuße des Museums steht auf der rechten Seite sogar die Rocky-Statue, die wohl für die Filme teilweise vor das Museum gepackt wurde - hei nun, ich habe dankend auf das Foto davor verzichtet, dass uns von dem "Profi-Fotografen" angeboten wurde, der sein Geld damit verdient, Touristen vor der Statue zu knipsen. Der arme Kerl hat uns seine ganze Lebensgeschichte erzählt, wir waren nämlich die einzigen Touris um die Zeit - und wir wollten trotzdem kein Foto, da tat er mir ja fast ein bisschen leid...

Auf dem Weg zum Zoo fiel uns das erste Mal eines der Murals in Philadelphia ins Auge - und zwar "A tribute to Patti LaBelle". Patti LaBelle wurde in Philadelphia geboren und ist R&B- und Soul-Sängerin, die wohl durch "Lady Marmalade" bekannt sein dürfte. Die riesengroßen Bilder sind teilweise auf privaten Gebäuden (die dann entsprechend auch gerne mal umzäunt sind) angebracht, teilweise auch an öffentlichen, bzw. frei zugänglichen Gebäuden.

Durch Schilder sind sie entsprechend gekennzeichnet (sonst wüsste ich auch nicht, wer da jetzt drauf zu sehen ist) und man kann sich noch weitere Infos zu dem Bild holen, wenn man eine entsprechende Nummer anruft... Konnten wir natürlich nicht, aber da wurde ich zum ersten Mal mit diesem Handy-Info-System konfrontiert, das eigentlich wirklich ganz nett ist. Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, fallen einem auch mehrere der Murals auf - was bei uns teilweise hässliche Graffiti sind, sind in Philly teilweise wunderschöne Murals mit enormen Ausmaßen.

Wir sind bestimmt noch an dem einen oder anderen Mural vorbeigelaufen - aber manchmal guckt man halt doch nicht so genau hin oder findet die Teile nicht soo megaspannend. "Reach high and you will go far" hat mich hauptsächlich deswegen so beeindruckt, weil man ernsthaft oben auf das Gebäude noch die Krone des Baumes extra draufgesetzt hat - mal ganz davon abgesehen, dass es sich durch die Farbgebung in der doch leicht tristen Umgebung (großteils grau, wie man am Gebäude rechts gut erkennen kann) deutlich absetzt. Auch wenn ich zuerst so gar keine Vorstellung von Philly hatte, fand ich allein durch diese kurzen Ausflüge Gefallen an der Stadt - sie ist bestimmt nicht so konträr, wie New York es gewesen ist und vielleicht muss man hier die tollen Plätzchen auch ein bisschen mehr suchen - aber es gibt so einige davon. Man sollte nur wirklich mit offenen Augen durch die Stadt laufen und nicht nur mit Scheuklappen möglichst schnell von A nach B kommen wollen (und an dieser Stelle wundere ich mich, dass D. mich nicht tatsächlich in Philly mal verloren hat - ich weiß gar nicht, wann ich mal nicht "hinterher" getrappelt bin).

Eine der wirklich phänomenalen Erfindungen in den USA begegnete uns bei dem Versuch, irgendwie endlich mal über zig Straßen hinweg zum Zoo zu kommen - die Amis sind nämlich auf die grandiose Idee gekommen, einfach ein Schild an die Abfahrten von den Highways zu packen, auf denen "FALSCHE RICHTUNG" steht - ich wette, damit lassen sich Geisterfahrer durchaus effektiv vermeiden... Vorausgesetzt, man kann lesen, dürfte das doch deutlich einfach zu verstehen sein, als die "Einfahrt verboten"-Schilder, die hier bei uns zu finden sind.

Die drei Tage in Philly waren irgendwie erstaunlich kurz - der Zoo hat ein bisschen Zeit in Anspruch genommen, war aber toll; allerdings muss ich sagen, dass ich mir gerne die Stadt auch "außerhalb" noch ein bisschen angesehen und z.B. das Insektarium gerne besucht hätte. Naja, immerhin habe ich ein paar Sachen, die "fürs nächste Mal" auf die Liste kommen *hust*.

Kommentare:

  1. Oh, ich liebe solche toll gemalten Hauswände! :) Das würde viele Städte oder Stadtteile viel hübscher machen. Die 72 Stufen hätte ich wohl ausgelassen. ^^

    LG Lotte

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    1. Oh ja, das stimmt - da würden sicherlich einige Städte hübscher aussehen! Aber ist halt auch mit Aufwand verbunden... Ach komm, 72 Stufen sind kein Act! Außerdem war der Blick auf den Parkway zurück dann auch recht hübsch :)

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  2. die hauswand sieht echt spitze aus!

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    1. Jap, das haben sie da wirklich, wirklich hübsch gemacht! Philly hat was :x

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  3. Die Bilder sind, wie auch schon die Bilder vorher, total toll :) Ich wäre auch gerne dort :) Die Bilder an den Hauswänden sind wirklich besonders schön :) Liebe Grüße :)

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    1. Hihi, freut mich, dass es dir gefällt :) Hach ja, gerade bei dem momentan total mistigen Wetter wäre ich jetzt auch lieber bei strahlend blauem Himmel dort... *seufz*

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