Montag, 27. Mai 2013

USA-Urlaub: Der Philadelphia Zoo

So, da sich Blogger am Samstag geweigert hat, gibt es das Posting eben heute - ich lasse mich ja nicht unterkriegen von so ein paar komischen Einstellungen, die sich einfach selbst ignorieren, pft!

Wie beim letzten Amerika-Post schon erwähnt, waren wir in Philadelphia natürlich im Zoo - schließlich war das der erste Zoo, der in den Vereinigten Staaten eröffnet wurde! Und zwar am 21. März 1859 - das ist  im Vergleich zum Tiergarten Berlin (1844) gar nicht mal so übel, kommt aber gegen den Tiergarten Schönbrunn in Wien (1752) nicht wirklich an; aber gut, Europa hatte da ja auch ein bisschen mehr Zeit!
Wir hatten uns also zu Fuß durch Philadelphia aufgemacht und haben auf den gut 4km Fußweg, wie ich schon schrieb, das eine oder andere Interessante entdeckt: Es gibt durchaus auch unglaublich heruntergekommene Viertel in Philadelphia, die ich schon fast mit den Zuständen in osteuropäischen Städtchen vergleichen möchte - schrecklich verwahrloste Häuser, wo da teilweise Stromkabel lagen, möchte man sich nicht näher angucken und insgesamt waren wir froh, da doch recht flott dran vorbeigehen zu können und uns den Tierchen zu widmen, auf die wir ja total heiß waren!

Aber irgendwie war an diesem Vormittag noch Schlafenszeit für die ganzen Tierchen - den Anfang machte hier das Stachelschwein, das ziemlich bewegungslos auf einem Ast saß und nur ab und zu mal mit den Äuglein blinzelte. Niedlich sah es aber auch so aus und ich war doch überrascht, wie gechillt die Tiere im Zoo schon waren - wir hatten es nämlich geschafft, zeitgleich mit einigen Schulklassen anzukommen... An der Straße vor dem Zoo zählte ich sechs gelbe Schulbusse, die gerade dort hielten und ihre Ladung (bestehend aus lauter kleinen Menschchen, die ich in etwa dem Alter von 6-8 Jahren zuordnen würden) ablieferten - dass die Zwerge dann nicht gerade schweigend durch den Zoo sausten, dürfte wenig verwunderlich sein. Aber nicht nur das Stachelschweinchen sah das total gelassen - übrigens erinnere ich mich auch nur an schlafende Stachelschweine in deutschen Zoos (so sie denn überhaupt zu sehen waren und sich nicht in ihren Höhlen verkrochen hatten).

D. und ich entschieden uns logischerweise, "andersherum" zu gehen, als die ganze Kinder - aber im Endeffekt sind wir ein bisschen kreuz und quer gewandert, da wir hier und da doch auf Megaansammlungen von Kindern gestoßen sind und uns mit denen dann doch nicht in einige Häuser quetschen wollten. Da das Wetter aber auch sehr gut war, konnte man sich an den Tieren erfreuen, die auch ein bisschen Sonne abhaben wollten - zumindest hat man sie irgendwo rumliegen sehen... Die Eisbären waren gerade auch bei ihrem Vormittagsschlaf und bewegten sich geschlagene 10 Minuten so überhaupt gar nicht!

Auch ein paar Meter weiter bei den Flamingos ein ähnliches Bild - man geruhte wohl, der einzige Unterschied zu den Bären war, dass bei den Flamingos zumeist nur ein Beinchen zu sehen war... Aber dafür standen die Tiere auch alle willig mitten in ihrem Gehege und versteckten sich nicht, so wie es das Getier zumeist in Deutschland irgendwie tut, wenn es döst...

Gut, weniger Action in den Gehegen ließ uns dann ein bisschen mehr Zeit, uns alles andere anzusehen und das fand ich durchaus positiv: Die Gehege sind weitläufig gestaltet, sodass die Tiere auch viele Rückzugsmöglichkeiten haben. Dass sie dennoch gut sichtbar ruhen zeigt, dass sie sich nicht allzu unwohl fühlen können in ihrem Zoo - der zwar direkt an einer ordentlich befahreren Straße liegt, aber "innen drin" trotzdem nicht übermäßig laut ist. Entgegen der Befürchtungen, dass der Zoo eher altbacken daherkommt, weil er ja durchaus ein paar Jahre auf dem Buckel hat, hat man sich viel Mühe gegeben, modern zu sein - auf die vielen Süßigkeitenstände hätte ich zwar verzichten können, aber es ist alles gut zugänglich und ansehnlich gestaltet und wie schon gesagt achtet man auch auf die Bedürfnisse der Tiere.

An vielen Stellen gibt es ausführliche Informationen zu einzelnen Arten, besonders auch, was ihren Bedrohungsstatus und mögliche Gründe dafür angeht. Zu den schlafenden Erdferkel (ich habe zum ersten Mal Erdferkel live gesehen! Und sie sind unglaublich niedlich, auch wenn sie sich nicht bewegen!) gab es natürlich auch die Info, dass man sie zumeist eben in ihrer Schlafhöhle findet - als nachtaktives Getier werden sie zwar auch in einem entsprechend abedunkelten Bereich gehalten, aber immerhin kann man so einen Blick auf sie werfen. Ebenso auf die vielen kleinen Nagetiere, Fledermäuse und andere Säuger, die lieber in der Dunkelheit unterwegs sind.

Leider war es da dann recht schwierig, Fotos zu machen und die teilweise winzigen Mäuschen waren auch nicht so richtig fotogen, flitzten sie doch zumeist in ihren Gehegen umher, dass man schon fast mit dem Gucken nicht hinterher kam... Da war schon mal was wach und aktiv und dann kann man davon nichtmal Bilder zeigen - am Schluss denken wahrscheinlich alle, dass da im Zoo nur altersschwache Senioren-Tiere untergebracht sind, die ihre Zeit mit Schlafen verbringen!

Und tatsächlich könnte man auf diese Idee kommen - denn die Löwen lagen auch nur gemütlich an der Glasabtrennung ihres Geheges. Ich gestehe - die Großkatzen in Hamburg finde ich auch zumeist in schlafender Position wieder, das hat mich also nicht übermäßig überrascht. Aber nett anzusehen waren sie da trotzdem, wie sie mit ihren megamäßig großen Pfoten einfach nur vor sich hindösten - und am Männchen sieht man zumindest, dass das ein eher junger Löwe ist! Also nix ist mit Altersheim-Zoo!

In den First Niagara Big Cat Falls - so hieß der Abschnitt, in dem man die Miezen alle untergebracht hatte - war definitiv Siesta! Die Jaguare hatten sich von den Löwen anstecken lassen und schnarchten mit ihnen um die Wette - und auch die Pumas kuschelten sich auf ihrem Holzsteg aneinander... Nicht einmal ein einziger Gähner war uns gegönnt! Faules Pack - viel mehr kann man dazu ja nicht sagen!

Aber ich kann das durchaus nachvollziehen, bei dem schönen Wetter hätte ich mich auch gerne einfach nur in die Sonne gelegt und mir den Bauch von den Sonnenstrahlen wärmen lassen! Aber wir hatten ja was vor und wollten uns den 17 Hektar großen Zoo komplett angucken!

Aktivitätsglück hatten wir dann im Tigerreich - wobei man sich durchaus fragen darf, ob sich der Tiger nicht eher für einen Hund hielt, da er mit dem Stöckchen im Maul um sein Wasserbecken stolziert ist.... Sein (oder ihr) Mittiger zeigte dafür definitiv eher katziges Verhalten - nach ein paar Schlückchen Wasser aus dem Becken wanderte er (oder eben sie - das war leider nicht zu erkennen und ein Namensschild hatten die beiden auch nicht) gemütlich ein Mal um das Becken herum. Und dann noch einmal. Und ein drittes Mal - und kuschelte dabei mit der Fensterscheibe...

Durchaus imposant, wenn man nahezu auf Tuchfühlung an so eine majestätische Katze herankommt - auch bei langsamen Bewegungen kann man das Muskelspiel sehr gut erkennen und einen genaueren Blick auf die monströsen Tatzen werfen... Ich kenne das ja schon von der kleinen Mieze meiner Eltern - wenn die mal grantig wird (Gott sei Dank nur anderen Katzen gegenüber, zu Menschen ist sie lieb), fährt sie ihre ordentlichen Krallen aus. Wie sich das im Großformat von einem Tiger mit 100 bis 200 kg Kampfgewicht anfühlt, mag ich mir gar nicht so detailliert vorstellen...

Die beiden Katzen waren auch definitiv eher gut drauf und tobten kurze Zeit später auch miteinander rum - bzw. jagten hintereinander her... Ich muss sagen, dass ich mir sowas unglaublich gerne ansehe und auch wenn nicht wirklich etwas "Spannendes" passiert, könnte ich gerade vor Katzengehegen Stunden zubringen und den Tieren einfach nur zusehen.


Hätte ich wahrscheinlich auch tun können - aber D. wollte weiter! Bei den Primaten war doch schon mehr los - bei den Orangs saß Papa gemütlich in einer Ecke und mampfte, während das Weibchen mit dem Jungtier (anscheinend) versuchte, vom Troubel an den Fensterscheiben wegzukommen. Die klopfenden Kinder fand sie anscheinend nicht gar so angenehm und verzog sich schließlich mit dem Kleinen auf eine Plattform in einer Ecke, weit weg von dem nervigen Besuch. Die Gorillas hingegen waren tiefenentspannt, die Totenkopfäffchen schienen dafür gerade erst aufgewacht - aber nicht minder knuffig!


Was natürlich bei keinem Zoobesuch fehlen durfte, waren die Schildkröten! Und natürlich hatte auch Philadelphia die zu bieten - neben Riesenschildkröten gab es auch noch kleinere Vertreter, die leicht grantig aus ihrem Terrarium guckten. Neben Schildkröten gab es natürlich noch viele andere Reptilien und Amphibien, die wir mit Begeisterung begutachtet haben - wobei mir bei der einen oder anderen Schlange dann doch ein bisschen mulmig wurde; so absolut allem will man ja auch nicht unbedingt in der freien Wildbahn begegnen...

Das letzte Foto, das ich aus dem Zoo noch zeigen möchte, ist eines, das ich selbst so ein bisschen zwiespältig sehe...

Wie in so vielen Zoos, sind auch in Philadelphia die Pfaue eigenständig unterwegs und bevölkern die Wege und teilweise auch Sitzgelegenheiten. Eines der Pfauenmännchen hatte sein wunderschönes Rad gezeigt - ich vermute allerdings nicht, um ein Weibchen zu beeindrucken, sondern eher, weil ihm die vielen Kinder um ihn herum einfach zu viel wurden.

Davon abgesehen, dass das ein wunderschönes Fotomotiv abgibt (wobei ich sagen muss, dass ich gute 10m von dem Tier wegstand!), hatte das für mich einen leicht bitteren Nachgeschmack - der Junge auf dem Bild meinte nämlich, den Pfau begrabbeln zu müssen und das fand ich einfach unschön.

Da gibt man den Menschen schon die Möglichkeit, so nahe es geht an Tiere heranzukommen und sie auch ohne Gitter und Absperrungen zu betrachten - und dann kriegen es einige Eltern immernoch nicht hin, ihrem Nachwuchs zu vermitteln, dass es sich da auch um Lebewesen handelt, die mit Respekt behandelt werden sollten... Trotz der vielen, vielen Hinweise und Informationen über und zu bedrohten Tierarten, scheint dieses Verständnis in den Köpfen vieler noch nicht so ganz angekommen zu sein...

Der Zoo selbst ist auf jeden Fall den Besuch wert gewesen, ich habe in einer sehr schönen Atmosphäre bei bombastischem Wetter vieles gesehen - nicht nur unbekannte Tiere (gerade im Bereich der Nagetierchen hat man da einige bedrohte Tierarten, die eher unauffällig sind), sondern auch schöne Möglichkeiten, einen Zoo sowohl artgerecht, als auch besucherfreundlich zu gestalten. Dafür war das jetzt aber auch der letzte Post zu Philadelphia - das nächste Mal geht es mit unserer letzten Station, Washington, D.C., weiter!

Kommentare:

  1. Sehr, sehr tolle Bilder, du Weltenbummlerin! Ich liebe schlafende Tiere <3

    Das mit dem Pfau finde ich allerdings aus den selben Gründen wie du ein bisschen problematisch :-/ Tolles Foto, wundervolles Tier (prachtvoll!), aber die Eltern solcher Kinder gehören.. naja. Selber mal erzogen, um es diplomatisch zu sagen!!

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    1. Ich mag schlafende Tiere durchaus auch - aber mir ist halt beim Durchsehen der Bilder aufgefallen, wie viele da überhaupt pennen ^^

      Oh ja, Eltern gehören in Zoos oft genauso erzogen wie Kinder - schließlich kommen die nicht unbedingt von selbst auf die Idee, Tiere zu füttern...

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  2. Die Tierbilder sind sooo schön geworden :) Ich muss auch mal wieder in den Zoo gehen oder in einen Tierpakr um zu fotografieren :) Liebe Grüße :)

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    1. Danke dir :) Ich gehe unglaublich gerne in den Zoo - aber momentan ist das hier mit dem Wetter ja nicht unbedingt so einfach :/

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  3. Spätestens wenn der Pfau die Initiative ergreift und mal nach einem solchen Kind pickt, ist das Geschrei gerade bei den Eltern groß, denen vorher alles egal ist.

    Sehr schöne Bilder :). Großkatzen könnte ich auch stundenlang zuschauen, die sehen einfach so krass aus...

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    1. Der Pfau ist die ganze Zeit nur weggelaufen - war also ein netter Pfau^^ Ich glaube aber auch, dass das Gezeter dann groß gewesen wäre!

      Bei den Löwen war das richtig toll, da hat man halt auch die Pfoten sehr schön sehen können - und die finde ich schon bei der kleinen Miez immer spannend^^

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