Samstag, 18. Mai 2013

Im Koma - Joy Fielding

Auch wenn ich momentan irgendwie nicht wirklich viel zum Lesen komme, klappt es doch ab und an mal... Und "Im Koma" von Joy Fielding passt gerade richtig gut ins Konzept, lebt die Protagonistin doch in Philadelphia! Das Buch habe ich aus dem inzwischen unsagbar großen und unüberschaubaren Fundus von Mängelexemplaren meiner Eltern gefischt, nachdem ich den Klappentext recht interessant fand und die Geschichte hat mich zumindest nicht komplett enttäuscht.
Der Titel deutet schon darauf hin - es geht um eine Person, in diesem Fall eine Frau namens Casey Marshall, die nach einem vermeintlichen Unfall im Koma liegt (wobei ich den Originaltitel "Still life" eigentlich passender finde). In diesem Koma kann sie jedoch alles um sich herum hören, ist also im Prinzip bei vollem Bewusstsein in einem Körper eingeschlossen, den sie nicht kontrollieren und somit auch niemandem mitteilen kann, dass sie alles um sich herum mitbekommt.

Allein die Grundidee des Romans finde ich sehr beklemmend und wenn man sich auf diese Idee einlässt, ist das Buch sehr spannend, fesselnd und man leidet mit der armen Casey mit. Ihre Gedanken werden gut dargestellt - die Verwirrung darüber, was überhaupt passiert ist; Verzweiflung über ihre aussichtlose Situation; Hoffnung, Wut und Angst - das alles funktioniert aber nur, wenn man über die kleinen logischen Schwächen der Geschichte hinweg sieht. Da habe ich von Fielding irgendwie schon bessere Thriller gelesen, die stringenter und schlüssiger verfasst waren.... Ich kann mir jetzt natürlich kein Urteil darüber erlauben, wie realitätsgetreu die Darstellung ist - aber an einigen Stellen stolpert man doch über Ungereimtheiten.

Der Unfall, der Casey ins Krankenhaus brachte, stellt sich nämlich gar nicht als Unfall dar - sondern als Mordauftrag. Diese Tatsache erfährt man etwa Mitte des Buches vom Täter selbst und damit verliert die Geschichte ein bisschen an Drive - denn warum wartet der Täter so lange, um sein Ziel zu erreichen? Es gäbe mehr als genug weniger komplizierte und einfachere Gelegenheiten, eine Komapatientin aus dem Weg zu räumen als die aufwändige, die letztlich gewählt - und natürlich verhindert wird!

Es ist dennoch spannend, Caseys Schlussfolgerungen mitzuerleben - sie ist ja nicht 24 Stunden am Tag wach, sondern hat auch ihre Schlafphasen, kann allerdings ohne Sicht nicht einschätzen, wie lange sie geschlafen hat und was momentan überhaupt los ist. Im Krankenhaus bekommt sie Besuch von unterschiedlichen Personen, von ihrem Mann über ihre Schwester, den Polizisten, der mit dem Fall befasst ist, bis hin zu Freundinnen - und sammelt sich somit ihre Informationen zusammen. So langsam wird das Bild immer klarer, bis der Täter sich selbst entlarvt - ab da wird dann zumindest für Casey klar, dass sie immernoch in Gefahr schwebt.

Die Charaktere sind teilweise gut, teilweise eher mittelmäßig gezeichnet - wie gesagt ist es nicht einleuchtend, warum mit dem "Vollzug" der beabsichtigten Ermordung von Casey so lange gewartet wird; die "Entwicklung" vieler Charaktere, die man ja nur aus Caseys Erinnerungen und ihren aktuellen Wahrnehmungen schlussfolgern kann, ist jedoch zumeist gut gelungen. Die Schwächen im Spannungsbogen und kleinere logische Fehler kann man finde ich hinnehmen - zur Unterhaltung taugt das Buch allemal und wenn man sich ernsthaft darauf einlässt, kann es stellenweise wirklich sehr bewegend sein.

Kommentare:

  1. Irgendwie finde ich jetzt, dass du zu viel verraten hast.... allerdings habe ich ein Kurzzeitgedächtnis und es eh gleich wieder vergessen, werde das Buch nach deiner durchaus positiven Rezension jetzt aber doch mal lesen. Finde Fieldings Charaktere übrigens IMMER flach^^

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    1. Ja, habe ich beim Lesen auch gedacht ;-)

      Ich habe noch "Lauf, Jane, lauf" im Regal stehen. Könnte ich auch mal angehen ...

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    2. Ja hei nun :x Es ist gar nicht so einfach, seine Meinung zu sagen, ohne einige zentrale Aspekte zu nennen - sonst ist das nur so ein gar kryptisches, wenig nachvollziehbares Zeugs... Aber keine Sorge, da sind noch genug Seltsamheiten in dem Buch versteckt ;) Ich versuche aber, beim nächsten Mal kryptischer zu sein :P

      "Lauf, Jane, lauf" habe ich auch gelesen - ist aber schon ewig her! Teilweise sind die Charaktere ganz okay - aber kommt halt bei Weitem nicht an so einige Charakterschreiberlinge ran; dafür sind die Storys auch nicht gemacht^^

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    3. Das stimmt, ich brech mir bei meinen Rezensionen auch immer einen ab und bin oft der Meinung, dass die Inhaltsangabe die ich da schreibe ZU WENIG hergibt um jemanden wirklich anzufixen...

      Lauf Jane, lauf... ich überlege gerade ob ich das gelesen oder vielleicht gehört habe oder ob ich nur den Film im Kopf habe. Fielding ist für mich immer gutes Urlaubsmaterial, wenn mir die Konzentration auf der Sonnenliege flöten geht isses dann auch nicht weiter tragisch^^

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    4. Ich glaube, das ist immer Geschmackssache, wie viel man wirklich preisgibt - es gibt ja auch Leute, die gerne vorher wissen, was alles kommt...

      Ich muss sagen, bei diesem Buch würde man wohl schnell aussteigen, wenn man nicht bissl dabei bleibt - das ist aber dem Szenario geschuldet. Ansonsten stimme ich dir zu, dass das jetzt nicht die aller komplizierteste Kost ist :)

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  2. Klingt nach einem interessanten Thema -- ich denk ich werd bei Gelegenheit mal danach Ausschau halten :-)

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    1. Yay! :) Bin gespannt, was du dazu sagst - aber ich wette, dir fallen die gleichen Kritikpunkte auf wie mir^^

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  3. Klingt auf jeden Fall interessant :) Allerdings habe ich noch 10 Bücher die ich noch nicht gelesen habe. Ich habe Momentan einfach viel zu wenig Zeit zum Lesen :) Liebe Grüße :)

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    1. Ich habe hier auch noch mehrere Bücher, die ich dringend lesen will - aber absolut nicht dazu komme :/ Da kann ich also vollauf mit dir mitfühlen!

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