Montag, 29. April 2013

USA-Urlaub: Solomon R. Guggenheim Museum und Museum of Modern Art in New York

So, heute wird es wieder ein bisschen museumslastiger - während D. nämlich mit Erkältung im Hotel rumgammelte, hab ich mir meine Ohrpuschel und meinen Regenschirm geschnappt und bin ins Solomon R. Guggenheim Museum und danach noch ins Museum of Modern Art geschlittert. Wieso geschlittert? Weil es an diesem Tag geschneit hat wie im tiefsten Winter!

Witzig fand ich, dass man in New York anscheinend mit gefärbtem Salz streut - denn ratzfatz waren die Gehwege und Straßen mit einer blauen Pampe überzogen. Die kleinen Körnchen erinnerten mich sehr an Schneckenkorn...

Während es also besonders am Vormittag dicke Flocken schneite und kein Ende zu nehmen schien, war am Abend schon alles weggetaut und der Himmel wieder klar - und am folgenden Tag war von Winter überhaupt nichts mehr zu sehen... Da ich den Tag in Museen zugebracht habe, war mir das aber auch ziemlich egal, wie es draußen zuging.

Das Guggenheim hatte eigentlich D. ins Gespräch gebracht (und war dann nichtmal dabei - sehr schlau eingefädelt) und ich bin da so ein bisschen unbedarft reingegangen. Von außen sieht das Museum schon interessant aus, allerdings war es innen für mich eher ernüchternd - Fotografieren generell verboten, lediglich die Rotunde durfte man von unten Knipsen... Tonangebend war eine Ausstellung zu "Gutai" - japanische Nachkriegskunst, mit der ich so ganz und gar nichts anfangen konnte... Ich glaube mich an einen kleinen Flügel zu Kandinsky zu erinnern - aber da ich keine Fotos machen durfte, will ich das gar nicht beschwören.

Nach gut anderthalb Stunden war ich wieder raus - wobei ich bestimmt 10 Minuten an der Garderobe angestanden habe. Die 22$ wäre mir das Museum nicht wert gewesen, aber gut, ich hätte mich ja auch vorher schlau machen können, was dort gezeigt wird. Bei Museen, die keinen großen eigenen Bestand als Dauerausstellung haben, ist man halt sehr davon abhängig, dass die aktuelle Ausstellung einem zusagt.

Dank New York Pass habe ich mich aber gar nicht groß geärgert, sondern meinen Krams gepackt und bin in die Metro gehopst, um mir das zweite weltbekannte Kunsmuseum in New York anzusehen, das MoMA. Dort habe ich mich erstmal an der Garderobe geärgert, dass man meine Handtasche nicht nehmen wollte - obwohl da nichts außer meinem Schal drin war... Zweites Ärgernis: Man konnte kostenlose Audiotouren in Anspruch nehmen, wenn man einen Ausweis abgibt - aber Reisepässe werden nicht akzeptiert, MÄH! Wieso hat mir das niemand vorher gesagt?

Oder anders: Wieso habe ich Depp mich nicht vorher schlau gemacht? Aber egal, Bildchen gucken kann ich auch so! Das MoMA liegt nicht am Central Park, sondern etwas südlich - und man kann beim Blick aus den Fenstern nicht nur den (zu dem Zeitpunkt noch geschlossenen) Skulpturengarten sehen, sondern auch einen Blick auf die Stadt erhaschen...

Während man bei den anderen Museen oft auf den Central Park blickte, ist hier genau vor der Tür reges Treiben angesagt und man steckt wirklich mitten in der Stadt - während um einen herum lauter Hochhäuser sind, steht man selbst ein wenig entrückt in diesem künstlerisch-kulturellen Ballungsraum, der ein bisschen wie eine isolierte kleine Welt wirkt... Draußen geht das normale Leben weiter und im MoMA schwelgt man in hochkarätigen künstlerischen Sphären - New York besticht einfach wahnsinnig durch seine Gegensätze!


Dass das MoMA mit Hochkarätern nicht geizt, dürfte wenig verwunderlich sein, aber ich habe tatsächlich noch ein "Kunstwerk" entdeckt, das mich trotz (oder wegen?) seiner Schlichtheit fasziniert hat.

John Baldessari (mir vollkommen unbekannt, allerdings wohl ein bedeutender amerikanischer Künstler der Gegenwart) hat da ein paar sehr schlaue Worte auf die Leinwand gebracht - Kunst lässt sich schwer mit Worten beschreiben. Sie ist ein Wahrnehmungsphänomen und wenn ich auch behaupten würde, dass außer den Augen noch viel mehr Sinnesorgane im weitesten Sinn involviert sind, finde ich diese kurze "Definition" doch klasse - die Einschätzung, ob Dinge nur nebeneinander geklatscht sind oder ein stimmiges Gesamtbild abgeben, bleibt wohl immernoch jedem selbst überlassen. Eigentlich eine sehr schöne Einstellung zu Kunst...


Also habe ich mich in die Weiten des Museums gestürzt und war mir auch für irgendwelche idiotischen Sachen nicht zu blöd: Wenn man einen Kerl auf einen Spiegel malt, ist es ganz schön schwierig, dieses Kunstwerk so zu fotografieren, dass man selbst nicht darauf auftaucht... Ich weiß gar nicht, wie viele Leute mich ein bisschen blöd angeschaut haben, als ich mich da quer zu dem Spiegel stellte und in einer leicht wackeligen, schrägen Position versucht habe, mich hinter dem Menschchen zu verstecken - ja, für solche Späße bin ich mir nicht zu schade und nein, mir ist sowas auch nicht peinlich! Manchmal siegt halt doch die Doofheit!

Insgesamt gab es im MoMA viele ... sagen wir einfach interessante Sachen. Dass man Feinstrumpfhosen mit Sand füllen und an Wände hängen kann, wusste ich gar nicht - aber es schaut ungefähr genauso gut aus, wie es sich liest *hust*... Modern ging es da also durchaus zu - für mich an manchen Stellen durchaus zu modern, aber da bin ich dann einfach ein bisschen schneller durch die Ausstellungen gekommen.
Eines der Highlights, die das MoMA zu bieten hast, ist "Sternennacht" von Vincent van Gogh. Dass sich um dieses Bild herum, das auch extra einen eigenen Aufpasser hatte, eine Menschentraube gebildet hatte, dürfte wenig verwunderlich sein - ich weiß nur nicht, ob das nicht auch der Effekt des Sonderaufpassers war... Und ich gebe zu - das war eines der "Bild knipsen, weitergehen"-Bilder für mich. Ich finde es sehr schön, aber meine Motivation, mich in einen Menschenhaufen zu packen, war doch relativ gering - da habe ich mir lieber andere Bilder in Ruhe angesehen... 

"Der Schrei" dürfte den meisten bekannt sein - ich habe dazu irgendwie eine wage Erinnerung an das Direktoran an meiner Schule, ich glaube, da hing ein Druck nebenan (na, ob das nicht Absicht war?)... Da momentan eine Munch-Ausstellung im MoMA ist, konnte ich den Schrei von 1895 im Original (insgesamt gibt es wohl vier leicht unterschiedliche Schreie, die alle "Originale" sind und im Abstand von ein paar Jahren entstanden sind) bewundern - zumindest kurzfristig.

 So faszinierend dolle fand ich die Pastellmalerei auf Holz dann auch nicht, aber auch hier natürlich riesengroßer Andrang und fast ein bisschen Klopperei darum, wer denn jetzt die perfekte Position zum Knipsen hat - ich hab einfach gemütlich ein bisschen gewartet, bis die Leute vor mir wegwaren; das Bild rennt einem ja nicht davon (wobei man das beim Verhalten einiger Leute durchaus denken könnte)...
Ganz erstaunt war ich, als ich ein Bild von (und mit) Frida Kahlo ein wenig einsam in einer Ecke hängen sah - ich gebe zu, dass ich es seit 2002 nicht geschafft habe, mir den Film anzusehen und auch generell zur Person gar nichts weiß... Da hätte ich mir gewünscht, ein bisschen mehr Info als nur den Namen der Künstlerin sowie des Werkes zu haben - aber das MoMA ist da eher schlicht gehalten... Aber immerhin findet man sich in den Ausstellungen recht gut zurecht, auch wenn man sich in manchen Mittelräumen, die Abzweigungen in drei oder sogar vier Richtungen haben, doch eine Nummerierung oder sonstige Orientierungsmöglichkeit wünschen würde.

Ohne leitet es doch eher zum Schlendern ein, was ich natürlich auch gerne gemacht und mich hier und da auch sehr daran erfreut habe, Werke wiederzuentdecken, die ich in ähnlicher Form schon in einem der Museen vorher gesehen hatte.
Paul Klee war insgesamt eher selten vertreten, aber "Katze und Vogel" fand ich dann doch recht nett anzusehen. Insgesamt gab es aber durchaus viele deutsche, bzw. deutschsprachige oder deutschstämmige Künstler zu bewundern (teilweise auch mit witzigen, textlastigen Kunstgebilden, die man entsprechend nur verstanden hat, wenn man auch Deutsch konnte) und wenn man wohl alles überschlägt, ist der Anteil an hochwertiger amerikanischer Kunst in den Musseen in den USA doch eher gering...

Eine der größten Fragen, die mir vor allem im MoMA nochmal deutlich geworden ist, war diejenige nach dem Zielpublikum der Künstler...
Wenn man sich z.B. mal wieder ein paar "Wasserlilien" von Monet ansieht, die einfach unglaubliche Dimensionen haben - wo sollte man die Dinger denn aufhängen? In einem normalen Haus oder einer Wohnung hat man nie und nimmer Platz für so einen Kunstgegenstand (wobei dieser hier auch extrem groß ist - das sind ja mehrere Platten)... Und "nur" für Galerien oder Museen zu malen, ist doch auch irgendwie ungeschickt... Nicht, dass ich mir überhaupt so ein Monstrum leisten könnte  - aber einfach dieser Gedanke hat sich gerade im MoMA in meinem Kopf festgesetzt; Kunst ist halt exklusiv und teilweise anscheinend auch nicht dazu gedacht, von der Allgemeinheit konsumiert zu werden.

Diese grandiosen Ausstellungen haben oftmals einfach auch Dimensionen, die nicht für die Residenzen Normalsterblicher gemacht sind - und in Teilen auch nur in sehr großen Räumen zur Geltung kommen, was ja eigentlich ein bisschen schade ist... (Und das sage sogar ich als total naive Kunstbanausin!)

Kommentare:

  1. Japanische Nachkriegskunst? Nee, das wäre auch nix für mich gewesen. ;) Aber das MOMA klingt doch nett. Ich liebe ja Monet. Boah, als Tapetenwand in meinem langen Flur wäre das Bild toll. ^^

    LG Lotte

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    1. Die Ausstellung war schon etwas speziell - da wurde zwar auch hier und da erklärt, es gab auch viele (seltsame) Videos, aber einfach nicht meins...

      Du, wer weiß, ob es das nicht als Tapetenprint gibt ;)

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  2. Japanische Nachkriegskunst wär wohl auch nicht meins, ich hab mich mit der auch noch nie beschäftigt (Kunst im asiatischen Raum kam nie wirklich im Kunst LK damals vor. Immer nur europäische und amerikanische Künstler.)

    Aber das MoMA klingt doch nett. Wir wollten mal mit der Klasse in Berlin ins MoMA, aber unsere Lehrerin hat verplant zu reservieren, so dass wir 4 Stunden hätten warten müssen. Stattdessen hatten wir Freilauf. ^^
    Der Monet ist aber ... riesig. Ich hab zwar schon mal irgendwo gelesen, dass es mehrere Platten sind, aber wenn man das dann auf einem Foto sieht, ist es irgendwie noch einmal etwas anderes.

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    1. Wenn mir keiner gesagt hätte, dass das japanisch sein soll, wäre es auch nicht wirklich aufgefallen... Aber ich kenne mich da ja auch nicht aus.

      Das MoMA war auch echt nett! Wenn du aber erstmal vor so einer riesigen Leindwand oder Platte oder was auch immer stehst - das ist dann auch nochmal echt eindrucksvoll!

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  3. Ähem, also wenn ich das jetzt nicht bei dir hier gelesen hätte, wäre ich auch völlig blind ins Guggenheim gestiefelt und völlig enttäuscht gewesen... mir war nciht bewusst, dass die Ausstellungen da eher temporär sind...?

    Das MoMa ist hingegen genau das was ich mir vorgestellt habe. Wie der Louvre mit anderen Bildern ;)Und ich bin wahnsinnig verliebt in den Louvre, oh ja! So sehr, dass ich darüber immer noch nicht hab bloggen können. Je überwältigender das Ereignis, umso schwerer fällt mir das... Ich finde es wahnsinnig faszinierend vor Sachen zu stehen (also ob jetzt Bilder oder irgendwelche relikte ist mir wumpe), die RICHTIG alt sind. Deshalb boykottiere ich auch Ausstellungen die nur mit Museumskopien aufwarten können. Das ist doch keine Ersatz!!!! Gibt es im MoMa keinen Audioguide? Der vom Louvre ist nämlich der Hit, ohne den würde mir was fehlen...

    Übrigens hing bei uns im Gymi auch der Munch :D

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    1. Wenn ich das Konzept vom Guggenheim richtig verstanden habe, ist da das meiste "temporär" - da Museum ist allerdings auch nicht wirklich groß und ich vermute, dass die da halt ihre Sachen auch immer abwechselnd ausstellen in den kleineren Flügeln. Das "Hauptthema" ist wohl immer in der Rotunde zu finden und das wechselt definitiv.

      MoMa hat einen Audioguide - aber im Tausch gegen einen Ausweis, allerdings KEINEN Pass. Und ich hatte nur meinen Pass einstecken und nicht den Perso. Ich hätte gerne den Audio-Guide gemacht, aber dazu hätte ich mich halt vorher schlaumachen müssen - der Perso wird ja in den USA eher nicht anerkannt, also bin ich nur mit meinem Pass rumgelaufen.

      Es ist schon echt krass, wenn man sich so überlegt, was da an den Wänden hängt - sowohl vom Wert, als auch vom puren Alter her. Und ich finde, sowas muss man halt auch mal mitnehmen und "aufsaugen" und nicht nur doof fotografieren.

      Mhh, wer weiß - vielleicht ist so ein Munch im Gymnasium einfach Standard? :P

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    2. Ich hab nicht mal nen Perso (war mal abgelaufen und mein Reisepass war grad neu, da meinte die Tante vom Bürgeramt, dass das Wurst wäre, der würde reichen). Den werde ich mir bis zur nächsten NY-Reise dann mal dringendlich anschaffen müssen :D Aber ist ja ne dämliche Regelung...

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    3. Naja, ich vermute halt, dass die einfach keine Touris da haben wollen, die alle ihre Pässe dalassen - ohne kommt man ja aus dem Land nicht mehr raus. Wird also so ein Sicherheitsaspekt sein.
      Aber ich renne ja nicht mit allen möglichen Ausweisen da rum, sondern halt eben mit dem, der überall (also in Gaststätten z.B.^^) anerkannt wird... Führerschein wäre wohl auch gegangen, aber warum sollte ich den mit mir rumschleppen, wenn ich sicher kein Auto fahre... Bissl blöd gelaufen einfach^^

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