Freitag, 5. April 2013

USA-Urlaub: Freedom Trail und Museum of Fine Arts in Boston

Unser zweiter (und zugleich letzter "ganzer") Tag in Boston startete mit einem kleinen Fußmarsch zum Boston Common, dem ältesten Park in den USA und gleichzeitig Startpunkt des "Freedom Trail". Der "Freedom Trail" ist eine Route, der man anhand einer roten Linie auf dem Boden folgen und dabei die wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten besichtigen kann. Wir hatten noch in Deutschland über Free tours by foot eine Tour gebucht und waren mit unserem Guide Brian am Ende mehr als glücklich!

Der Vorteil an diesen Touren ist, dass sie grundsätzlich kostenfrei sind, aber eine Spende in der Höhe, die man selbst für angemessen hält, gerne gesehen wird. Brian hat uns über die ganze Tour mit massig Informationen versorgt, wobei er es gut verstanden hat, alles lebhaft, spannend und auch mit einer ordentlichen Prise Humor zu erzählen. Da merkte man deutlich, dass jemand mit Herzblut bei der Sache war und Touristen gerne durch sein Beantown führte. Ein paar Requisiten hatte Brian zur Veranschaulichung auch dabei, wie diese Flagge der "join, or die."-Klapperschlange, die Ben Franklin in einem Comic benutzt hatte, um die Uneinigkeit der damaligen Staaten deutlich zu machen.
An der Nordseite des Boston Common steht das Massachusetts State House, in dem das Büro des Gouverneurs von Massachusetts und der General Court beherbergt sind. Wie es sich gehört, steht das Gebäude auf dem höchsten Punkt des Beacon Hill - die Herrschafften müssen ja hübsch runter gucken können auf "ihre" Stadt. Die Kuppel ist mit Blattgold vergoldet - ein bisschen Prunk muss ja auch sein; und Brian konnte sich auch den Wortwitz um General Hooker, dem auch ein Eingang gewidmet ist, nicht verkneifen... Wäre ja auch eine verschwendete Gelegenheit gewesen!
An der Park Street Church vorbei (man kann ja nicht alles fotografieren, bzw. nicht alle Fotos zeigen) ging es zum Granary Burying Ground, wo z.B. Samuel Adams begraben ist. Name unbekannt? War er mir zunächst auch, aber Brian hat das behoben - Sam Adams war ein bekannter Redner und Revolutionär, hat die Boston Tea Party organisiert und die Unabhängigkeitserklärung mitunterzeichnet - später wurde er auch noch Gouverneur von Massachusetts. Als einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten hat er aber durchaus noch einen harmlosen kleinen Grabstein...

Auch die Opfer des Massakers von Boston am 5. März 1770 haben eine Grabstätte - alle fünf (ja, wirklich nur fünf!). Die fünf Zivilisten wurden von britischen Truppen getötet und da man das Ganze ein bisschen propagandistisch aufbauschen wollte, hat man es eben Massaker genannt. Es gibt am Old State Haus auch eine Markierung, wo das ganze Schlamassel stattgefunden hat und Brian hat uns seine schauspielerischen Fähigkeiten vorgeführt und mit viel Leidenschaft bildhaft geschildert, wie das Drama wohl vor sich gegangen sein mag... Zusätzlich zu den fünf Opfern ist dort noch ein zwölfjähriger Junge, der von einer verirrten Kugel niedergestreckt wurde - allerdings elf Tage vor dem Massaker von Boston.

Natürlich liegen dort noch weitere Berühmtheiten, wie John Hancock, der als vermögender Kaufmann zu den Anführern des Aufstandes gegen Großbritannien zählte, oder auch James Otis, dem der Spruch "No taxation without representation" (was witzigerweise auf vielen Autokennzeichen in Washington, D.C: zu lesen war) zugeschrieben wird.

Auch ein paar Familienmitglieder von Benjamin Franklin haben ein "kleines" Denkmal bekommen - Ben Franklin wurde zwar in Boston geboren, aber in Philadelphia begraben. Allerdings hat Brian uns darauf hingewiesen, dass uns sicher jeder glauben würde, wenn wir einfach behaupteten, am Grab von Benjamin Franklin gewesen zu sein und dazu den Obelisken zeigen würden... Das echte Grab von Franklin ist auch nicht wirklich spektakulärer - aber ich bin ja eine ehrliche Haut!

Wir wanderten dann weiter, vorbei King's Chapel, der ersten anglikanischen Kirche in Neuengland und der ersten öffentlichen Schule; weiter zu einem der ältesten Gebäude von Boston, dem "Old Corner Bookstore", in dem aber kein Buchladen mehr ist, sondern eine Filiale von Chipotle Mexican Grill - darüber hat uns Brian, gebürtiger Bostoner, besonders sein Leid geklagt. Aber immerhin steht das Gebäude noch (immerhin seit 1712!), sieht von außen auch sehr hübsch aus, und musste nicht abgerissen werden - und vielleicht ist dort ja auch irgendwann mal wieder ein Buchladen drin zu finden?

Am Old South Meeting House durften wir wieder ein paar spannende Geschichten zur Nutzung der Kirche erfahren: Sie wurde als Versammlungshaus genutzt und war auch Schauplatz der öffentlichen Debatte (bei der eine Vielzahl von Leuten auch vor dem Gebäude stand), die die Boston Tea Party nach sich zog.

Vor dem Old State House (Bild rechts) hat das Boston Massaker "stattgefunden"; das historische Gebäude selbst sieht aber auch sehr hübsch aus und auf dem Balkon soll wohl die Queen einen Scheck über 30.000 $ (entsprechend dem damaligen Wert des im Meer versenkten Tees) entgegengenommen haben - hat zumindest Brian gesagt!

Da Brian mit uns nicht den ganzen Freedom Trail ablief (er sagte, das würde wohl so sechs Stunden dauern und die wollte nicht einmal seine Mutter mit ihm zubringen), entließ er uns an Faneuil Hall wieder in die Freiheit. Schauplatz diverser Reden von Samuel Adams und James Otis, ist Faneuil Hall immernoch einen Blick wert und wird inzwischen als Markthalle genutzt.

Die ganze Tour dauerte gute zwei Stunden und wir wurden wirklich mit Informationen vollgempumpt - haben aber auch viel gelacht und einfach Spaß gehabt, uns von einem so schrägen Vogel wie Brian was erzählen zu lassen. Absolut jeder war nach der Tour begeistert und unsere Gruppe war recht heterogen.

Nach so viel Landesgeschichte sind wir dann wieder in Richtung unseres Hotels gestapft und dann die Straße etwas weiter zum Museum of Fine Arts gewandert. Das Museum ist eines der größten Museen der USA und hat eine Vielzahl von Kunstsammlungen unterschiedlichster Ausrichtungen zu bieten. Ich bin generell kein Kunstprofi, sondern erfreue mich vorwiegend an schönen Dingen - allerdings habe ich so meine Probleme mit moderner Kunst (Bleistftgekritzel ist für mich einfach keine Kunst. Basta.)... Also seht mir meine vielleicht etwas naive Berichterstattung nach.

Nach einem kurzen Blick auf historische Musikinstrumente schlenderten wir durch Ausstellungen mit Kunstgegenständen der "alten Welt", wie z.B. Sarkophagen aus Ägypten, dieser knuffigen Bronze-Spitzmaus aus der 26. Dynastie oder weiteren griechischen Helmen, römischen Skulpturen (oder Teilen davon). Teilweise gab es recht viele Infos zu den Stücken, manchmal jedoch nur eine kleine Plakette mit Künstler, Titel und Jahr - für mich reicht das meistens, da mir ein Kunstwerk entweder gefällt oder eben nicht; Hintergrundinfos sind da eher zweitrangig.

 Ein bisschen was Historisches gab es aber auch in diesem Kunstmuseum - und teilweise fand ich das auch hübsch, aber zumeist von der puren Größe total untauglich für eine normale Wohnung (das habe ich mich generell oft gefragt - für wen werden so riesengroße Gemälde eigentlich gemacht? Die passen doch eh nur in Museen oder Galerien...). Thomas Sully hat hier George Washington und seine Mannen bei der Überquerung des Delaware von Pennsylvania nach New Jersey verewigt - generell war Washington ein durchaus beliebtes Motiv und vielfach entweder alleine oder in Begleitung dargestellt.

Irgendwann sind wir dann aber auch auf ein paar bekannte Namen gestoßen, wie z.B. den von Piet Mondrian. Auch wenn ich seine Gemälde durchaus hübsch finde, frage ich mich doch oft, warum gerade diese Ansammlung an Quadraten und schwarzen Linien eine Menge Geld wert sein soll...

Nichts gegen geometrische Bilder und so, aber... so übermäßig "künstlerisch" ist das ja nun nicht wirklich (man möge mich jetzt dafür nicht steinigen), aber gut, ich kenne mich ja auch nicht aus und bin in der Hinsicht wohl ein Banause!

Wirklich beeindruckt hat mich dafür die Sammlung von Flaschen, die in mehreren Vitrinen ausgestellt wurde - ehrlich gesagt, gar nicht mal der Flaschen wegen (ich habe nichtmal eine Ahnung, was das genau für Flaschen sind, woher sie kommen oder woraus sie gemacht sind...), sondern wegen der "Installation". Mit den Spiegeln entsteht da einfach ein ganz toller Effekt, der mich fasziniert hat und der sogar auf dem Bild halbwegs gut rüberkommt - da steht jeweils nur eine Flasche und keine Reihe davon. Ob das nun Kunst ist, sei dahingestellt - aber es ist auf jeden Fall hübsch anzusehen!
Auch von Monet ist uns einiges über den Weg gelaufen - "La Japonaise" wurde zwar gerade restauriert, aber dafür haben wir die ersten (von vielen weiteren in vielen weiteren Museen - irgendwann hatte ich sie gehörig satt) Wasserlilien gesehen. Auch überdimensioniert, aber nett - allerdings weiß ich nicht, warum der gute Mann ernsthaft 48 Bilder von irgendwelchen schwimmenden Pflanzen gemalt hat, die dann auch noch alle "Wasserlilien" heißen... Andere haben es immerhin geschafft, ihre gleich heißenden Werke durchzuzählen!
Neben Gemälden hatte auch eine Vielzahl von Skulpturen ihren Platz im Museum, hier z.B. Rodins Psyche (im Hintergrund links Monet, ich glaube die Kathedrale von Rouen, aber keine Ahnung in welchem Licht; rechts ein Heuhaufen im Winter, ebenfalls Monet). Von Rodin sind uns noch viele weitere Skulpturen begegnet - unter anderem auch der Puritaner und der Denker, aber ich bin irgendwie nicht gar so der Fan von Bildhauerei; dann doch lieber Gemaltes!

Natürlich gab es noch eine Menge anderer Künstler und Kunstwerke zu betrachten - seien es Rubens und Rembrandt oder Picasso und Goya, Manet, Degas, Gaugin, Cézanne, Renoir oder van Gogh... Da ist absolut für jeden was dabei und wenn man nicht den Luxus von zwei Besuchen (die mit einer Eintrittskarte innerhalb von 10 Tagen möglich sind!) hat, muss man sich einfach entscheiden, welche Ausstellungen man sehen möchte und auf welche man verzichten kann.

Ich habe dann mal dankend auf die asiatische Kunst verzichtet - nicht, weil ich sie nicht faszinierend finde, sondern weil wir einfach nicht genug Zeit hatten und ich mir dann doch lieber die europäischen und amerikanischen Künstler geben wollte. Einen weiteren Tag im Museum hätte ich sicherlich noch gut gebrauchen können, aber wir mussten ja am nächsten Tag weiter nach New York!

Kommentare:

  1. Weih, da bekommt man ja einen Kulturschock ;). Aber diese Tour mit einer freiwilligen Spende finde ich genmal, vor allem wenn man dann jemanden mit so viel Engagement erwischt!!

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  2. Die Tour mit Brian scheint eine sehr spaßige Sache gewesen zu sein, sollte man sich also merken, wenn man mal nach Boston kommt. Die Idee mit der freiwilligen Bezahlung find ich übrigen auch toll, erfahrungsgemäß geben die Leute ja eh mehr, als wenn sie einen festen Preis bezahlen müssten.

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  3. @maedchenNaja, ist ja gesammelte Kultur aus aller Welt :P Aber ja, ist nicht unbedingt das, was man da so erwartet hätte ;)

    Das Konzept von Free Tours by Foot finde ich auch klasse - anfangs hatte ich ein bisschen Schiss, dass wir so einen langweiligen Laberer erwischen, wie man sie prototypisch kennt, aber Brian war das totale Gegenteil ;)

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  4. @KirjavaAlso Brian kann ich wirklich ehrlichen Herzens empfehlen - aber ich vermute mal, dass die anderen Guides (es gibt ja auch noch viele andere Städte) auch sehr engagiert sind.

    Ich finde, dass man bei diesem Konzept halt auch direkt Feedback bekommt, ob man als Guide gut ist - denn dann zahlen die Leute das Geld auch gerne. Viele geführte Touren muss man ja vorher bezahlen und weiß gar nicht so recht, was man bekommt. Hier fühlt man sich nicht verpflichtet, sondern kann sich das Ganze erstmal anschauen und dann entsprechend der Qualität bezahlen.

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  5. wow, das klingt total super. das museum wäre ja gar nichts für mich gewesen, aber das liegt am thema. mit kunst kann ich nicht so viel anfangen.

    mit geschichte dafür umso mehr. die tour klingt unglaublich spannend und ich finde, es zeigt mal wieder, wie wichtig der mensch ist, der die sachen vermittelt. wenn man einen langweiligen führer hat, kann einem der spaß an führungen und touren echt genommen werden. zum glück hast du ja einen volltreffer gelandet und eine spannende tour bekommen :-)

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  6. @netzbaendscheIch wollte mir die bedeutenden Kunstmuseen halt angucken, wenn ich schon da bin - aber wie gesagt bin ich da auch ein Laie, der sich eben an schönen Dingen erfreut :)

    Die Tour war auch wirklich toll - aber auch die einzige, die wir gemacht haben (großteils aus zeitlichen Gründen); Brian hat einfach viele Geschichten lebhaft erzählt und interessant gemacht. Die harten Fakten, wer wann wen getroffen hat, sind ja zumeist langweilig und müssen entsprechend mit Leben gefüllt werden und das ist ihm perfekt gelungen!

    Das Klima war super, wir haben viel gelacht - und eben auch viel gelernt :)

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