Montag, 15. April 2013

USA-Urlaub: Das Metropolitan Museum of Art in New York

Am zweiten Tag in New York ging es dann doch wieder etwas kulturlastiger zu - nach den Tierchen aus dem Bronx Zoo am Vortag ging es dieses Mal zum Metropolitan Museum of Art. Das MET ist das größte Kunstmuseum der Vereinigten Staaten und beherbergt eine der bedeutendsten kunsthistorischen Sammlungen der Welt - fällt für mich also zumindest mal in die Kategorie "sollte man sich anschauen, wenn man schonmal vor Ort ist". Das MET liegt östlich des Central Park und war von unserem Hotel aus gut mit der Metro zu erreichen (lag einfach an der "richtigen" Seite - für die Gegenseite mussten wir nervig umsteigen).
 An der Fifth Avenue sind mehrere Museen angesiedelt, deswegen wird dieser Teil der Straße auch "Museum mile" genannt. Wie so viele amerikanische Museen ist das MET von außen gut erkennbar - es ist nämlich ein ordentlicher Klotz, bei dem auch Säulen nicht fehlen dürfen (gefühlt ist jedes Museum, das in einem extra dafür gebauten Gebäude untergebracht ist, riesig, klotzig und massiv und auf jeden Fall mit Säulen versehen).

Im MET darf man sich auf insgesamt drei Stockwerken allerhand Kunst ansehen - und braucht dafür eine wahre Ewigkeit, auch wenn man nur durch die einzelnen Räume läuft. Nach einer kurzen Orientierung (was will ich mir überhaupt alles angucken?) stapfte ich mit meiner Kamera bewaffnet los. Auffällig: Die hohe Anzahl an Museumswärtern, mindestens in jedem zweiten Raum standen ein beanzugter Herr oder eine entsprechend schick gekleidete Dame und hatten ein wachsames Auge auf die Besucher - oder gaben freundlich und bereitwillig Auskunft, wie man denn am schlausten zu Raum X kommen konnte. An den wenigen Stellen, an denen das Fotografieren nicht erlaubt war (z.B. in Sonderausstellungen), hatten sie auch ein Argusaugee auf alle Kameras und verstanden es, zwar freundlich,

aber doch mit Nachdruck das Fotografieren zu unterdrücken (allerdings wurde einem da auch nicht die Kamera aus der Hand gerissen oder ähnliches - es folge einfach ein Hinweis "No pictures, please!" und daran hat sich eigentlich auch jeder gehalten). Teilweise hat man einfach die Schilder übersehen, die eben nicht riesig waren und aus Gewohnheit erstmal ein Bild geschossen.
In meiner künstlerischen Naivität habe ich mich einfach ein bisschen treiben lassen und fotografiert, was mich so interessiert hat - einen der seltenen Caspar David Friedriche (oben), mit denen ich irgendwann zu Schulzeiten das erste Mal konfrontiert wurde (ich bilde mir sogar ein, das war im Deutsch-LK).

Auch von van Gogh gab es einige Werke zu betrachten, seien es ein paar Sonnenblumen oder das deutlich bkanntere Selbstbildnis  mit Strohhut - die Sternennacht hängt übrigens im MOMA, da waren wir dann natürlich auch noch.

Im MET fand ich sehr angenehm, dass zu den meisten Werken auch noch ein paar Informationen auf den dazugehörigen Täfelchen zu finden waren - also nicht nur Autor, Jahr, Titel und verwendete Materialien, sondern auch eine kurze Erläuterung, wenn dieses Bild denn eben etwas Besonderes war. Da ich kunsthistorisch so gar keine Ahnung habe, fand ich es sehr nett, auf diesem Wege zu einzelnen Bildern ein paar Informationen abgreifen zu können - oder auch dankend darauf zu verzichten und mich einfach nur am Kunstwerk selbst ein bisschen zu erfreuen. Bildung auf einem sehr durchlässigen Kanal sozusagen - aber ich muss gestehen, dass ich mir nicht allzuviel gemerkt habe; dafür bin ich doch zu wenig kunstbewandert.

Eine der witzigsten Sachen, die ich seit dem Urlaub gerne mache, ist Malerraten - besonders, wenn man mit jemandem zusammen die Urlaubsfotos anguckt, ist das ein Heidenspaß und macht einem deutlich, wie viel (oder wenig) man von Kunst weiß und woran man sich so bei Bildern orientiert. Macht logischerweise besonders viel Spaß, wenn man das mit Leuten macht, die ähnlich wenig Ahnung von Kunst haben, wie man selbst (und damit liege ich in meiner Familie und meinem Freundeskreis sehr gut). Noch lustiger als die Urheber der Bilder zu raten, ist es, Titel zu raten - bei manchen funktioniert das wirklich hervorragend (z.B. wenn Degas seine Werke pasend "Frau mit Handtuch", "Frau trocknet ihren Nacken", "Tänzer im Studio"), manchmal fragt man sich, was zur Hölle der Künstler da schon intus hatte, als er sich einen Titel für sein Werk ausgedacht hat. Renoirs "Sitzende Frau am Meer" haut wieder hin - wobei man sich da mit den Übersetzungen einen abbricht (im Englischen heißt das Bild "By the seashore").

Nachdem ich mich durch den ersten Teil der europäischen Kunst fotografiert hatte und dabei zahlreiche witzige Erlebnisse hatte (Leute, die sich ein Bild anschauen, die Nase rümpfen, lesen, von wem es ist - und es dann begeistert fotografieren), kam ein bisschen Abwechslung durch Skulpturen. Rodin war mir ja in Boston schon über den Weg gelaufen, jedoch hatte das MET einen Abguss (nein, das ist dementsprechend nicht das Original) von "Der Denker".

Erst da wurde mir so richtig bewusst, dass viele Skulpturen im Gegensatz zu Gemälden nicht nur ein Mal "hergestellt" wurden (irgendwelche moderneren Drucke sind da noch einmal eine andere Kategorie), sondern häufig mehrfach gegossen wurden - ist ja schließlich nicht alles immer aus Massivstein. Irgendwie verbinde ich mit Skulpturen eher Marmor oder andere Steine und irgendeinen armen Wicht, der stundenlang mit einem Hämmerchen auf den Felsbrocken einklöppelt, bevor er denn endlich seine wahre Gestalt annimmt... Aber nein, in der Moderne wird dann auch gerne mal was gegossen und zeiteffizienter (und vor allem finanziell aussichtsreicher) gearbeitet.

Neben den "guten alten" Sachen gibt es im MET auch modernere, amerikanische Kunst - ich hatte eigentlich gehofft, mehr Werke aus der Pop Art zu Gesicht zu kriegen (irgendwann im Kunstunterricht musste ich mal ein Referat über Keith Haring halten und finde seitdem seine Werke und die Pop Aart-Bewegung ziemlich cool; wobei man sich da an einigen Stellen auch fragen darf, ob das wirklich ernstzunehmende Kunst ist...), aber die waren leider eher rar gesät. Dafür bekam ich meinen ersten Jackson Pollock zu sehen und war vom Action-Painting eher  mittelbegeistert - das ist für mich eher die Kategorie "gebt mir nen Eimer Farbe, das kann ich auch".

Aber dafür hing um die Ecke auch ein Roy Lichtenstein - neben Andy Warhol (von dem ich leider auch nur wenige Werke gesehen habe) wohl die zweite Koryphäe der Pop Art. Die Comic-Gemälde, die es auch vielerorts als Puzzle oder zum Nachmalen gibt, dürften wohl den meisten bekannt sein.

Ich muss sagen, dass ich ansonsten mit der amerikanischen Malerei nicht so unbedingt viel anfangen kann - das ist mir vielfach zu patriotisch, zu viel Wilder Westen und hyperidyllische Darstellerei; ne, da bleib ich doch lieber bei quietschgelben Fensterrahmen mit Fliegengitter zwischendrin - hat doch auch was!

Es gab auch eine kleine Ausstellung zu Fabergé - und da habe ich zum ersten Mal erfahren, dass Peter Carl Fabergé eigentlich Russe war (na, wer wäre denn bei dem Namen nicht gleich auf diese Idee gekommen?) und außer Eiern auch noch andere hübsche Dinge gemacht hat. Dass er Goldschmied und Juwelier war, hatte ich mir ja schon fast gedacht - aber dass aus seinen Werkstätten nicht nur bunte (wenngleich sehr hübsche, aber doch irgendwie nur selektiv interessante) Eier, sondern auch so hübsche Kornblumen kamen, war mir neu.

Diese hier gehörten der letzten russischen Kaiserin, Alexandra Feodorovna, die als "Victoria Alix Helena Louise Beatrice von Hessen und bei Rhein" in Darmstadt geboren wurde und Kaiser Nikolaus II heiratete. Manchmal erfährt man in Kunstmuseen (oder bei Recherchen danach) halt doch ein paar interessane Informationen - wobei ich sagen muss, dass ich einfach die filigrane Arbeit der Kornblumen interessant fand. Davon abgesehen sind sie blau und für blau habe ich einfach ein besonderes Faible!

Dass die Zeit im Museum erstaunlich schnell vergangen war, fiel mir erst so richtig auf, als ich an der Kantine vorbeikam, mir der Duft von Essen um die Nase wehte und mein Bauch zu brummeln anfing - aber fürs Mittagessen war keine Zeit eingeplant, schließlich schloss das MET schon um 17:30 (wie leider viele Museen in den USA) und ob der Größe war allein das schon eine Herausforderung.

Also fleißig weitergestapft und tatsächlich noch ein paar bekannte Werke erwischt (ich weiß gar nicht, wie viel unbekanntes Zeug ich fotografiert habe, einfach nur, weil es mir gefallen hat): Pablo Picasso! Bei Picasso findet glaube ich jeder eine Phase, deren Bilder im zusagen - ich war bei vielen Werken erstaunt, dass sie aus Picassos Feder stammen sollten; für mich sind die kubistischen und seine späten Werke die "schönsten", aber Picasso war ja sehr vielfältig und hat auch einige Skulpturen geschaffen.

Wenn man sich teilweise die Mengen an Bildern ansieht, die so mancher Künstler gemalt hat, darf man sich wirklich fragen, wann die Herrschaften geschlafen haben - wobei Picasso ja teilweise auch diversen Genussmitteln sehr zugetan war. Der "Mann mit einem Lutscher" hat neben der netten Darstellung auch noch eine durchaus gesellschaftskritische Botschaft: In einem gewissen Alter sollte man nicht unbedingt in die Kindheit oder frühen Jugendjahre zurückkehren, sondern die eigene Reife anders nutzen. Da fragt man sich doch, ob er vor lauter Wein nicht aus Versehen in die Zukunft gesehen und unsere heutige jugendlichkeitsversessene Gesellschaft vor Augen hatte...

Aber allzuviel philosophische Hintergründe will ich da gar nicht reinbringen - fragen kann man den guten Mann eh nicht mehr und alles, was nicht überliefert wurde, ist reine Spekulation (die aber einigen Menschen viel Spaß macht und köstlich anzuhören ist).

Auf dem "Rückweg" zu einer anderen Ausstellung bin ich noch einmal bei den holländischen Meistern vorbeigestolpert (war einfach der kürzeste Weg) und stieß dort auf einen kleinen älteren Herren, der sich an Rembrandts Selbstportrait versuchte - und ich muss sagen, das sah gar nicht mal so schlecht aus!

Hier und da haben wir immer mal wieder Kunstklassen oder einzelne Personen getroffen, die Bleistiftzeichnungen angefertigt haben, aber dass jemand ernsthaft mit einer Leinwand und Ölfarben unterwegs war, habe ich nur im MET gesehen. Dafür braucht man aber auch eine Sondergenehmigung, da die meisten Museen das verbieten... 
Wäre ja noch schöner, wenn einfach einer vorbeikommt und mal fix ein paar neue Tupfer auf ein millionenschweres Gemälde macht... Der Herr hatte allerdings schnell ein mittelgroßes Publikum um sich gescharrt, das ihn bei seiner Arbeit verfolgte - und witzigerweise waren alle muksmäuschenstill...


An ein paar Giacomettis vorbei (die Katze rockt!) ging es dann noch zum Tempel von Dendur, der aus Ägypten nach New York transportiert und im Museum aufgebaut wurde - von der Tatsache abgesehen, dass die ägyptische Kunst da wirklich "zum Anfassen" ist, ist das auch eine tolle Ruheoase, um sich ein bisschen auszuruhen, durch die großen Fenster nach draußen zu schauen und mal kurz die Füße hochzulegen.

Auch wenn der Tempel nur knapp 7m * 13m groß ist - die gesamte Anlage, die man drumherum gebaut hat ist recht beeindruckend und zeigt auch im Ansatz, dass das MET noch eine Menge mehr zu bieten hat.

Obwohl wir den ganzen Tag im Museum unterwegs waren, habe ich nicht alles gesehen - die mittelalterlichen Werke sind nicht wirklich meins, afrikanische Kunst ist zwar wahnsinnig spannend, aber wäre mir dann auch zu viel geworden, ebenso wie der asiatische und römische Teil... Einen weiteren Tag im MET zuzubringen ohne sich zu langweilen wäre sicherlich kein Problem gewesen - aber irgendwann hat man sich an Kunst dann auch erstmal sattgesehen und freut sich auf ein bisschen Abwechslung...

Kommentare:

  1. Puh, mich faszinieren Museen ja auch irgendwie - aber es schlaucht immer total und am Ende krieche ich regelmäßig aus dem Gebäude und brauche ganz dringend nen dreifachen Espresso um nicht auf der Stelle einzuschlafen! Daher "genieße" ich solche Kunstsammlungen nur in sehr sparsamen Dosen;-)

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  2. Das ganze Museum wär ein Paradies für mich, weil ich liebe Kunst (Kunst LK war nie umsonst). Aber Caspar David Friedrich hat mich seit der Grundschule verfolgt (aber er hat auch "ums Eck" bei uns hier gearbeitet) - egal ob in Heimatkunde, Deutsch oder Kunst später.

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  3. @Alice D.Ich war auch erstaunt, wie platt ich nach dem MET war... Rauskriechen triffts dann ganz gut ;)

    So oft habe ich die Gelegenheit nicht, Hochkaräter konzentriert auf wenig Raum zu betrachten - da kneift man dann mal die Pobacken zusammen^^

    Und wenn auch so einiges dabei ist, das man interessant findet, ist das ja immer nett :)

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  4. @ElianeLeider gab es kaum Werke von Caspar David Friedrich - fand ich ein bisschen schade, aber nicht zu ändern ;) Das MET ist definitiv eins der Museen, in die man auch häufiger gehen könnte (wenn man es sich denn leisten kann und will und die Zeit hat) - genug zu sehen gibt es da auf jeden Fall :)

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  5. Ich hab's nicht so mit Kunst, aber das Mädel auf dem Stuhl sieht toll aus!

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  6. @MarisolWenn ich mich recht erinnere, hat Renoir da seine (künftige) Frau gemalt oder so...

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