Freitag, 19. April 2013

USA-Urlaub: Das American Museum of Natural History in New York

Während hier CNN im Hintergrund läuft und ich eigentlich nicht aus dem Kopfschütteln über die Ereignisse in Boston nicht rauskomme, habe ich meine nächste New York Fotos herausgekruscht und will euch heute ein paar Eindrücke aus dem American Museum of Natural History in New York zeigen. Das AMNH liegt auf der Westseite des Central Park und hat uns ein bisschen Umsteigerei gekostet - aber letztlich sind wir gut vor dem säulenbeladenen Klotz (kommt einem irgendwie bekannt vor, oder?) angekommen, haben uns brav durch die Security gewurstelt und konnten dann auch schon loslegen...

Wie die meisten anderen Museen bietet auch das AMNH zu den ständigen Ausstellungen kostenpflichtige Sonderausstellungen und ein IMAX an - da wir aber mit den Öffnungszeiten (immerhin von 10 Uhr bis 17:45 Uhr...) sowieso ein bisschen auf Kriegsfuß standen, haben wir uns dagegen entschieden. Die Schmetterlingsausstellung (irgendwie war gerade Schmetterlingszeit überall) und die Space Show wären sicherlich interessant gewesen, hätten aber noch einmal 12$ zusätzlich gekostet und wir waren uns nicht so ganz sicher, ob wir das unterbringen würden.

Ganz neugierig stapften wir also los und konnten uns in der Hall of Planet Earth erst einmal diverse Informationen zur Entstehung der Erde, zu Gesteinsformationen und Fossilien ansehen. An vielen Stellen gab es dazu kleine Videos, bei denen Forscher irgendwelche Phänomene erklärten, dazu viele Täfelchen und Informationspulte, an denen man sich eine ganze Menge an Hintergrundwissen holen konnte. Auch die Größe der Exponate fand ich schon dort beeindruckend - vor so einer Felswand steht man in einem Museum selten; wenn man dann noch bedenkt, dass sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat... Allein dort hätte man sicher den halben Tag zubringen können, wenn man sich in alle Details vertieft hätte.

Aber das hatten wir ja nicht vor - also ging es weiter in die Hall of North American Mammals, in der logischerweise viele nordamerikanische Säugetiere zu sehen waren - und zwar als ausgestopftes Getier... Im ersten Moment fand ich das recht gruselig, aber die Tierchen waren adrett zurecht gemacht und in ihre "natürliche" Umgebung gesetzt, sodass die Dioramen einen guten Eindruck vom Lebensraum vermittelt haben. Die meisten Exponate sind auch schon mehrere Jahrzehnte alt und wurden wohl von Sammlern bzw. deren Erben gespendet - früher war es ja durchaus ein Statusmerkmal, wenn man seine Beute entsprechend aufgemacht zu Hause hatte. Man kann davon halten, was man möchte - in Deutschland ist mir ausgestopftes Getier zumeist nur in Form von Vögeln in Museen untergekommen, aber ich kenne auch nicht jedes Museum in Deutschland. Die Ausstellung fand ich leicht befremdlich (und ich kannte die meisten Tiere einfach), deswegen sind wir da auch eher flott durchgegangen und haben uns lieber die anderen Bereiche angesehen.

In der Hall of Bioviversity werden alle möglichen Lebensformen von Mikroorganismen über Weichtiere zu Land- und Wasserlebewesen in ihren "Familien" dargestellt - man bekommt einen netten Einblick in die Verwandtschaften und ist vor allem erstmal geflasht von der puren Menge und Vielfalt an Lebewesen. Wenn man so vor einer Wand steht und gerade bei den kleineren Meerestierchen gefühlt hunderte unterschiedliche Modelle in Form eines Stammbaums vor sich sieht, fragt man sich doch, ob der Mensch sich nicht ein bisschen zu wichtig nimmt... 

Neben noch lebenden Tieren werden auch vom Aussterben bedrohte oder sogar schon ausgestorbene Tiere (bzw. deren Überreste) gezeigt, mit ein paar Informationen zum Vorkommen und Verschwinden. Der arme kleine Dodo (findet außer mir noch jemand Dodos total cool?) zum Beispiel ist etwa seit dem 17. Jahrhundert ausgestorben...

Ein sehr imposanter Punkt war für mich die "Simulation", die aufgezeigt hat, wie sich die Menschheit entwickelt hat und auch eine kleine Prognose bis 2025 beinhaltet. Ich fand es wirklich faszinierend, wie sich die Weltkarte in wenigen hundert Jahren gefüllt hat - von einem ersten kleinen Pünktchen über ein paar aufpoppende (über die freut man sich noch und denkt sich jedes Mal "Hey,  schau mal! Da ist noch einer! Wir breiten uns aus..."), bis die weißen Punkte einfach rasend schnell die Karte füllen - da wird einem dann auch so ein bisschen mulmig... Auf jeden Fall eine imposante kleine Demonstration - die allerdings ohne den moralischen Zeigefinger gezeigt wurde (den habe ich mir selbst zuzuschreiben).

Insgesamt fand ich das AMNH richtig toll aufgebaut - wo es ging, hat man versucht, interaktive Teile einzubauen und z.B. den Regenwaldnachbau auch mit entsprechenden Geräuschen und kleinen Suchaufgaben (besonders für die jüngeren Besucher) attraktiver und spannender zu gestalten, was recht gut gelingt. Wir sind auch gerne an dem einen oder anderen kleinen Gimmick stehen geblieben, haben uns einen Film angesehen oder uns durch die Screens geklickt - das macht einfach ein bisschen mehr Spaß, als nur die Täfelchen durchzulesen.
 
Bei den Ammoniten bin ich dann ein bisschen hängengeblieben, weil einfach das Farbspiel auf der Schale phänomenal war - und anscheinend nur auf (in?) Ammoniten aus Alberta, Canada vorkommt, was auf den dort herrschenden hohen Druck und die hohen Temperaturen zurückgeführt wird. Egal warum - sah toll aus!

Ähnlich interessant fand ich die Ausstellungen zu Mineralien und chemischen Elementen, die in allen möglichen Formen gezeigt wurden. Von riesengroßen Quartzformationen bis hin zu winzigkleinen, aber dennoch faszinierenden, quaderähnlichen oder auch eher "wild" wachsenden Gebilden aus unterschiedlichen Metallen war da wirklich alles dabei - und die Opale haben mich vom Farbspiel her besonders fasziniert... Hat ja ein bisschen was von Flakie-Topcoats nur viel, viel cooler...

Den Star of India, den weltgrößten blauen Saphir, habe ich auch gesehen, allerdings nur unscharf geknipst bekommen - wobei ich generell die Schmucksteine nicht so spannend fand, wie die rohen Edelsteine... Dafür sind die natürlich nicht so einfach in Szene zu setzen und herumzuzeigen und ab und zu fragte ich mich, welchen Wert die ganzen Sachen in dem Museum wohl haben...
 
Ein bisschen Kultur muss auch im AMNH sein, zumindest in den Human Origins and Cultural Halls, die traditionelle Kunstwerke aus Asien, Afrika, Amerika und dem Pazifik zeigen. Viele der Gegenstände waren hübsch gestaltete Alltagsdinge, wie z.B. Schüsseln, Vasen und Krüge, aber es wurden auch einige Schmuckstücke gezeigt, wie z.B. das Lama und Alpaka aus Silber, die in Bolivien gefunden wurden.

Der spannendste Teil war jedoch die Ausstellung zur menschlichen Geschichte, bei der eine Nachbildung des Skeletts von Lucy oder z.B. dieser kleine Neanderthaler zu sehen waren. Die Informationen zu den jeweiligen Gattungen waren sehr nett gestaltet und gerade Vergleiche wurden anschaulich gemacht. Was mich am AMNH begeistert hat war, dass man dort auch deutlich gemacht hat, was man eben nicht weiß - dass man hier und da Dinge vermutet, aber eben nicht sicher sein kann. Ein bisschen erstaunlich, dass gerade in den Vereinigten Staaten auch so öffentlich Aufklärung über evolutionäre Vorgänge betrieben wird - denn der wissenschaftliche Anspruch an Korrektheit wurde hier besonders deutlich. Viele Annahmen zur Lebensweise haben man aufgrund fossiler Funde geschlussfolgert, könne sich aber nicht sicher sein - so viel Ehrlichkeit ist mir bisher in wenigen Museen begegnet (und meinen Erfahrungen in Washington nach war das AMNH auch das Einzige, das sich das getraut hat). Ich fand das sehr positiv und muss sagen, dass das AMNH wohl insgesamt betrachtet das beste Museum war, das wir besucht haben!
 
Einen großen Anteil an meiner Begeisterung hatte auch die riesengroße Ausstellung zu Dinosauriern - mit wahnsinnig faszinierenden Exponanten, bei denen auch noch großteils gekennzeichnet war, welche Teile echte Knochen waren und welche aus Gründen der Vollständigkeit dazumodelliert wurden. Zum T-Rex gab es auch noch eine kleine Geschichte, die sich mit der Positionierung des Tieres befasst: Früher dachte man, dass der T-Rex sich aufrecht bewegen würde, weswegen auch das Skelett entsprechend aufgestellt wurde - nachdem neuere Erkenntnisse jedoch gezeigt haben, dass das Tier so gar nicht hätte laufen können, hat man auch die Körperhaltung im Museum entsprechend angepasst... Was auch bei vielen Exponaten dabeistand war, dass es sich oft nicht um ein einziges Skelett handele, sondern um mehrere Tiere, die sozusagen zusammengepackt wurden.

Dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, nach Millionen von Jahren noch ein zusammenhängendes Skelett diesen Ausmaßes komplett zu finden, wird einem mit ein bisschen Nachdenken schnell klar - aber dazu muss man auch erstmal nachdenken... Schön fand ich auch hier, dass es zu vielen Spezies Zusatzinfos zum Lebensraum oder zur Ernährung gab - wenn denn bekannt. Teilweise waren die Tiere zu kleinen Szenen, z.B. bei der Verteidigung eines Nests, zusammengestellt - allerdings gab es dort auch immer einen deutlichen Hinweis, dass es sich hier nur um eine vermutete Szene handele, die aufgrund der Knochenposition und Annahmen über die Lebensweise der Dinos nachgestellt wurde.

Es gab auch kleinere Funde aus Deutschland, die meisten der großen Skelette stammten allerdings aus den Staaten selbst... Wenn man sich das Museum von außen angesehen hat, wäre man nie auf die Idee gekommen, dass die Ausstellungsräume so wahnsinnig groß sind - und vor allem, dass dort nur ein Bruchteil der Exponate ausgestellt ist. Wenn ich nicht irgendwas komplett durcheinanderwerfe, sind z.B. bei den Dinosauriern nur etwa 10% der insgesamt im Fundus befindlichen Teile in der Ausstellung zu sehen und alleine um durch diese Hallen zu kommen, haben wir gute drei Stunden gebraucht... Vor so einem lebensgroßen Monstrum steht man halt gerne mal und staunt darüber, was mit diesen unglaublichen Viechern letztendlich passiert ist.

Zugegeben - man muss ein gewisses Interesse für naturwissenschaftliche Themen mitbringen, wenn man ins AMNH geht... Aber mal ehrlich, wer findet einen Dino oder einen der vermeintlichen Vorfahren der Menschheit nicht spannend? Ich fand das Museum auf jeden Fall richtig, richtig cool und hätte auch locker noch einen Tag darin verbringen können - aber wir hatten für New York ja noch andere Pläne...

Kommentare:

  1. Das will ich unbedingt in meinem Leben noch sehen! Da muss man einfach drin gewesen sein! :)

    LG Lotte

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kanns wirklich nur empfehlen - da gibt es megaviel zu sehen! :)

      Löschen