Samstag, 9. März 2013

Die Novizin - Trudi Canavan

Nachdem ich den ersten Teil der Trilogie gelesen hatte, schnappte ich mir auch gleich den zweiten Band - ich wollte einfach wissen, wie es mit Sonea weiterging, wie sie sich so in der Gilde schlagen würde und was überhaupt alles so im Weiteren passieren sollte... Dass es nicht einfach nur eine Darstellung der Magierausbildung werden würde, war aufgrund der Vorgeschichte ja schon klar.
Da Sonea aus den Hüttenvierteln kommt, wird sie natürlich zum Angriffspunkt ihrer Mitschüler - es mischen sich Neid auf ihre Fähigkeiten mit Angst und auch Überheblichkeit, die auf die soziale Stellung zurückzuführen sind. An dieser Stelle lassen sich auch schöne Parallelen zur realen Welt ziehen - es ist doch immer wieder faszinierend, wie man auch aktuelle Themen in so harmlose Fantasyliteratur packen kann... Man kann gemütlich drüber weglesen und einen möglichen Bezug nicht zur Kenntnis nehmen oder eben nicht.

Neben den üblichen Gruppenphänomenen wird aber auch noch ein ganz anderes Thema angesprochen, als nämlich Dannyl als Botschafter in eine Gesellschaft geschickt wird, die auch gleichgeschlechtlichen Beziehungen gegenüber nicht gar so abgeneigt ist wie die Kyralier - auch ein durchaus aktuelles Thema, das zunächst auf spielerische Weise aufgefasst wird, jedoch auch deutlich macht, wie mit Stereotypen umgegangen wird und auch vor welche Herausforderungen Personen gestellt werden. Entsprechend der Entwicklung von Sonea werden auch die Themen des Buches also erwachsener - und Sonea verliebt sich auch zum ersten Mal.

Die große Wende kommt allerdings, als sie vom Hohen Lord der Gilde als Schülerin angenommen wird (was ihr so gar nicht gefällt) - und hier wird wieder deutlich, wie gut Trudi Canavan dem Leser die gewünschte Perspektive vermitteln kann. Man kommt gar nicht auf die Idee, Soneas Abneigung zu hinterfragen, da ihre Sicht der Dinge sehr glaubwürdig ist - allerdings scheinen an einigen Stellen ein paar Aspekte durch, die darauf hinweisen, dass nicht alles immer nach seinem ersten Anschein bewertet werden sollte. Ich finde es toll, wie hier mit unterschiedlichen Ebenen gespielt wird und auch deutlich gemacht wird, wie diese miteinander zusammenhängen - die eigenen Emotionen der Handelnden, die Erwartungen anderer Personen, soziale Gegebenheiten. Da steht einiges im Widersprucht und erschwert Entscheidungen.

Zum Schluss kommt es natürlich zu einem Showdown und Sonea kann ihre Anwesenheit in der Gilde rechtfertigen - und ihren Mitschülern zeigen, dass auch Straßenkinder ernstzunehmende magische Fähigkeiten haben. Von der Hauptgeschichte abgesehen gibt es viele, nette kleine Nebenepisoden, die das Buch lesenswert machen und die Charaktere liebenswert - und stellenweise leidet man auch wirklich mit ihnen mit, wenn man weiß oder ahnt, dass sie bald enttäuscht werden...

Auch wenn Fortsetzungen ja nicht immer so gut sind, wie man es sich wünschen würde - "Die Novizin" hat mich keineswegs enttäuscht, allerdings war mir, als ich das Buch aus der Hand gelegt hatte, auch schon klar, dass es jetzt nur noch einen Band von der Serie gibt...

Kommentare:

  1. Ohja, und es ist immer am Aufregendsten den letzten Band einer Serie zu lesen, weil alles aufgelöst wird und viele kleine Fragen noch beantwortet werden... Aber dann ist Schluss und das will man bei einer gelungenen Serie ja nicht. ;)

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  2. @LotteJaa, genau - so geht's mir auch immer mit irgendwelchen Fernsehserien ;)

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