Freitag, 1. Februar 2013

Glaube der Lüge - Elizabeth George

Kennt ihr das, wenn ihr euch auf ein Buch recht lange freut und gespannt seid - es dann in Händen haltet und lest und schließlich weglegt und feststellt, dass eure Erwartungen so gar nicht erfüllt wurden? Genau so ging es mir mit "Glaube der Lüge" von Elizabeth George - zum Geburtstag bzw. zu Weihnachten habe ich inzwischen schon traditionell den neuesten Band der Lynley-Reihe von meiner Oma geschenkt bekommen (sogar als Hardcover!) und mich auch noch während des Weihnachtsurlaubs ans Lesen gemacht, aber irgendwie hat mich das Buch nicht vom Hocker gerissen.
Wenn ich mich zurückerinnere, was mich an Georges Büchern immer so begeistert hat, waren es die guten, vielschichtigen Fälle, die immer einen gewissen Twist hatten und das Ermittlerpaar, das gegensätzlicher nicht sein könnte und dadurch auch alles so lesenswert gemacht hat. Inzwischen muss ich sagen, dass ich Lynley nicht mehr so klasse finde, wie bisher und Havers mir in den letzten Bänden immer sympathischer geworden ist - so ist das halt manchmal mit der Charakterentwicklung...

In "Glaube der Lüge" (vielschichtiger Titel, der eine ganze Menge mehr verspricht, als er letztlich hält) ist für meinen Geschmack einfach zu viel los - und zwar auf Nebenschauplätzen. Der spannendste ist wohl derjenige um Barbaras Nachbarn, ansonsten ist sicherlich auch das brisante Thema Transgender interessant - das wird allerdings nur sehr randständig behandelt, oder vielmehr nur andeutungsweise tangiert. Schade, aber von einem Neben-Nebenschauplatz kann man auch nicht mehr erwarten. Und irgendwie zieht sich genau das durch das Buch - Nebenschauplätze. Denn entgegen der sonstigen Werke, die ein ernsthaftes Verbrechen im Kern der Handlung hatten, ist das vorliegende Problem gar kein Verbrechen, sondern war ein Unfall und wird auch als solcher bestätigt...

Warum Lynley dann trotzdem gefühlte Ewigkeiten "ermittelt" - so wirklich viel tut er leider nicht - ist klar: Damit die ganzen Nebenschauplätze und Familiendramen auch irgendwo ihr Plätzchen abbekommen und Deborah, die Frau seines besten Freundes, so richtig abdrehen kann... In den bisherigen Geschichten mochte ich sie, aber in "Glaube der Lüge" hat sie ein paar sehr seltsame Verhaltensweisen abbekommen und nervt irgendwann einfach nur noch. Die Grundidee ihres Handelns mag nachvollziehbar sein - die Umsetzung ist aber nur mäßig bis mangelhaft gelungen... Und dieses Problem haben irgendwie viele der kleinen Geschichtchen, die aufgeführt werden - es sind zu viele, sie sind insgesamt recht oberflächlich und nicht wirklich relevant und wenn man einen Krimi erwartet, wird man wahrlich enttäuscht.

Nach der bescheidenen Entwicklung Lynleys nach dem Tod seiner Frau (wobei er die angefangene Affaire mit seiner bekloppten Chefin jetzt doch beendet - endlich!) kommt jetzt also ein ziemlich langweiliges Buch dazu - meeh. Ich hoffe mal, dass das nächste wieder spannender wird (die Hoffnung stirbt zuletzt und der Cliffhanger am Ende verspricht zumindest eine gute Idee für eine Story), denn ich hätte gerne "mein" Ermittlerteam wieder zurück und will mitfiebern, grübeln, falsch liegen und überrascht werden!

Kommentare:

  1. Ich hab nach dem Tod seiner Frau, oder sogar schon während?, mit der Reihe aufgehört. Ich bin sehr empfindlich was den Seelenfrieden meiner Ermittler angeht!

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  2. @AliceDas Blöde ist, dass es bei "Glaube der Lüge" sehr wenig um Lynleys Seelenfrieden geht :( Es geht um so ziemlich alles andere und irgendwie nur am Rande um Lynley - und das finde ich halt ziemlich schade, weil ich ihn schon als Ermittler auch immer gern hatte... Aber noch gebe ich nicht auf! ;)

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