Montag, 25. Februar 2013

Die Alpha-Bitch zähmen - Rebecca Grado und Christy Whitman

Noch nie habe ich ein Buch in der Hand gehabt, das mich so sehr geärgert hat wie dieses hier - ganz ehrlich, ich hatte schon nach der ersten halben Seite absolut keine Lust mehr, weiterzulesen... Tapfer habe ich mich aber trotzdem durch diesen unsinnigen Schmock gequält und wenn ich das Buch nicht über Blogg dein Buch bekommen hätte, würde ich auch nicht ein einziges Wort darüber verlieren, weil es mich so unfassbar wütend gemacht hat und ich es so unglaubliche Verschwendung von Papier, Tinte und allem anderen halte.

Wer sich diesen pinken Schmock vom Kreuz-Verlag für unverschämte 16,99€ holen möchte, kann das gerne hier tun - aber ehrlich gesagt kann ich das niemandem empfehlen... Außer, jemand hat niedrigen Blutdruck und möchte ihn mit diesem Quatsch in die Höhe treiben.
Ausgesucht habe ich mir "Die Alpha Bitch zähmen", weil ich irrtümlich dachte, dass der angebliche Bestseller aus den USA (ja, spätestens hier hätte ich stutzig werden sollen, im Nachhinein ist mir das auch klar!) von einer Psychologin / Therapeutin und einem Coach geschrieben wurde - ich dachte wirklich, da könnte Wissenschaft und Praxis zusammenkommen. Und da ich beruflich viel mit dem Thema zu tun habe, fand ich das Buch fachlich interessant - eigentlich bin ich so Pseudo-Selbsthilfe-Büchern eher kritisch gegenüber.

Was genau regt mich an diesem 236igen Buch so auf? Ich könnte jetzt Seiten füllen und würde dabei wahrscheinlich so viele Schimpfwörter benutzen, dass ich alles wieder löschen müsste (das ist gerade auch nur der fünfte Versuch, eine "Rezension" zu verfassen)...Aber versuchen wir das Ganze ein wenig objektiv zu gestalten: Was mich rein optisch stört ist, dass es "Merkkästchen" gibt, die schlicht und ergreifend 1:1 Kopien von Sätzen aus dem Fließtext enthalten. Ohne irgendwelche Veränderungen - und man kommt sich als Leser ein bisschen veräppelt vor, wenn man zwei Mal den gleichen Satz liest.

Der Begriff "Alpha Bitch" wird verwendet, ohne ihn wirklich zu definieren - wir kennen sie ja alle und ihr typisches Verhalten (z.B. ist Miranda aus Sex and the City eine; und Monica aus Friends auch - sehr anschauliche Beispiele, wenn es halt nicht total überzogene fiktive Figuren wären...). Es wird einfach davon ausgegangen, dass es vier Typen gibt (worin sie sich jetzt genau unterscheiden wird auch nicht so ganz klar...) - wo die genau herkommen und warum es fünf sind, wird nirgendwo erläutert... Aber jeder ist ein eigenes Kapitel gewidmet!

Dazu kommen die durchschaubaren Selbst-Tests mit willkürlicher Punkteverteilung (was rein testtheoretisch total daneben ist) zu den Themen "Wie viel der 5 Alpha-Typen steckt in Ihnen?" - die Teile sind unglaublich schlecht konstruiert, inhaltlich wild zusammengewürfelt und einfach nur idiotisch. Der gesamte Schreibstil des Buches entspricht eher dem Ton, den man von (typisch amerikanischen) Werbereden kennt - das Ganze ist einfach auf Merchandise ausgelegt, nicht auf den Inhalt des Buches, denn bei ein wenig kritischem Überlegen fallen einem die unglaublich vielen Widersprüche, Gegensätze und Banalitäten schnell auf.

Das Ganze wird mit "realistischen" Beispielen - vorzugsweise aus dem Leben der Autorinnen - gespickt, bei denen man sich teilweise ob der darin enthaltenen Dummheit nur an den Kopf fassen kann. Der wissenschaftliche Anspruch dieses Buches ist unter 0, auch wenn es teilweise mit "Zitaten" (die nichtmal im Ansatz nachvollziehbar sind) und "Gesetzen" den Anschein erweckt, sich auf irgendwelche Theorien zu beziehen. Das ist allerdings nur Schaumschlägerei, da an anderen Stellen alles wieder abgesoftet wird und gesagt wird, dass man an manchen (nicht näher definierten) Stellen doch nicht alles dem Universum überlassen sollte, sondern selbst aktiv werden muss. Alles sehr kryptisch, leicht mystisch und

Was mich am meisten an diesem Buch stört, ist dass es ein veraltetes und stereotypes Frauenbild propagiert - Frauen sind ja bekanntlich die sanften Wesen, die nicht aggressiv und durchsetzungsstark sein sollen, sondern weich, lieb, passiv und nett und nur so (!) finden sie in Job, Partnerschaft und Familie die Erfüllung. Und im Übrigen basiert Kontrolle und Wettbewerb ja sowieso auf dem Gefühl von Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit (ich frage mich ja, ob dann alle erfolgreichen Männer auch an Minderwertigkeitskomplexen leiden?). Ich könnte jetzt noch stundenlang so weitermachen und mich über einzelne Inhalte, falsche Aussagen (ja klar, Frauen haben die totale Gleichberechtigung erreicht - zeigt mir mal bitte eine einzige Statistik, die das ernsthaft behauptet), Widersprüchlichkeiten, Stereotype und Sexismus aufregen... Aber das würde diesem Schund mehr Aufmerksamkeit geben, als er verdient hat.

Das Teil mag in den USA ein Bestseller sein - ich finde es einfach nur schlecht und peinlich. Auf unendlich vielen Ebenen.

Kommentare:

  1. Oh klingt das grausig! Du Arme, dass du dich für die rezension da durchquälen musstest.... Ich hätte mich fast für das Buch beworben, fand dann aber das "Bitch" im Titel schrottig. Ich meine, kann sich ja jede nennen, wie sie will und Rückeroberung diskriminierender Begriffe und so, aber ich will weder bitch noch "Slut"(walk) sein. Zum Glück habe ich den Schrott nicht gelesen.
    Liebe Grüße!

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  2. Vielen Dank für die Warnung vor dem Buch ;)
    Kann dein Ärger gut nachempfinden, auf Sexismus etc. bin ich total allergisch.. es macht mich so wütend.. da könnte ich manchmal Bücher mit Schimpfwörtern und Hassreden füllen. Deine Rezession wirkt eher als ob das Buch von Männern, genauer gesagt von Machos, die die Frauen unterdrücken wollen, geschrieben worden wäre und nicht von Frauen. Ich werde wohl nie begreifen wie Frauen sich freiwillig auf das Minimum degradien lassen können. Einfach nur Mutter, Putzfrau, liebe umsorgene Ehefrau, die nie widerspricht und nie eigene Meinung hat und alles macht was der Ehemann befehlt.. Das zeigt nichts von Intuition, Natürlichkeit, sondern ausschließlich von Unterdrückung. Die fängt bei vielen früh in der Kindheit an. Kenne ich einige Beispiele, die sind dann still, lieb, nett, aber nicht auf ne gesunde Art, sondern innerlich psychisch verletzt (sogar krank) und unterdrückt. Diese Stereotypen waren ja im vergangenen Jahrhundert sehr beliebt in den USA, vor allem durch die nette Werbung.. Ich bin echt froh, dass sie Welt anders geworden ist. Es gibt dennoch noch so unglaublich viel was nicht richtig läuft. Vor allem in anderen Lädern.. Daran sollte man arbeiten und nicht an wieder Unterdrückung.

    Liebe Grüße

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  3. @KatharinaEs ist leider wirklich Schrott - und die "Bitch" wird ja nicht einmal richtig definiert... Du hast schon recht, allein der Titel ist schon gar nicht so unverfänglich; allerdings sind die Inhalte aus meiner Sicht noch viel schlimmer.

    Nein, dieses Buch muss man wirklich nicht lesen!!!

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  4. @V.Schlimm ist halt, dass das unter dem Tarnmantel von "wir helfen Frauen, das zu bekommen, was sie wollen" stattfindet. Das Buch sagt zwar nicht, dass Frauen an den Herd gehören - aber sie sollen auch im Beruf die Lieben; und das steht leider (nachweislich) im Gegensatz zu Karriereaspirationen.

    Das Problem ist ja gerade, dass die Stereotype immernoch "aktiv" sind (so schnell funktioniert das gesellschaftlich einfach nicht) und mit solchen Büchern noch mehr gepusht werden - zum Spucken einfach...

    Wenn sich jemand irgendwie rational und nachvollziehbar damit auseinandersetzt, ist das ja okay - darf jeder seine eigene Meinung haben. Aber wenn man unter einem vermeintlich positiven Thema ("wir helfen Frauen") eigentlich genau das Gegenteil verkauft, finde ich das Mist.

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