Samstag, 15. Dezember 2012

Verstummt - Karin Slaughter

Da ich gerade versuche, in meiner Wohnung Ordnung zu machen und mir dabei auch "Verstummt" in die Hände gefallen ist, gibt es heute eben eine Buchrezension, basta! Das Buch hatte ich ursprünglich als Weihnachtsgeschenk für meine Mama gekauft (letztes Jahr) - bis sie mir eröffnete, dass sie sich just ein paar Tage zuvor selbst erstanden hätte... Hei nun, also stand es hübsch in Geschenkpapier verpackt bei mir rum.
So recht weiß ich nicht, was ich zu diesem Thriller wirklich sagen soll - das ist so ein typisches "Ja, aber..." Buch. Der Ansatz ist nicht übel, aber die Ausführung ist bescheiden. Die Idee ist nicht schlecht, aber nicht ausgereift. Der Anfang ist gut, aber das Ende richtig dämlich... Zu Beginn des Buches dachte ich, mich würde ein spannender Thriller erwarten, der anscheinend zweiteilig aufgebaut ist und mit einer 20 Jahre zurückliegenden Geschichte aktuelle Geschehnisse erklären will. Will er auch - aber irgendwie gelingt das nur lückenhaft und ist nicht wirklich schlüssig aufgebaut und logisch nachvollziehbar (ja, mag ein hoher Anspruch sein...).

Die Charaktere sind irgendwie alle Problemschleudern ohne Ende (und mit diversen Klischees behaftet, sodass man sich durchaus fragt, wie sowas überhaupt überlebensfähig ist) und bleiben trotzdem ein bisschen blass, haben wenig Tiefe. Was "Verstummt" gut geschafft hat, ist bei mir desöfteren ein mentales "IGITT!!!" hervorzurufen - das erste Mal nach recht wenigen Seiten, als man herausfindet, dass die Geliebte von Michael (bis dato dargestellt als verführerisches Luder) gerade mal 15 ist (und zum Zeitpunkt, an dem man das erfährt, frisch tot). Da hat's mich wirklich ein bisschen geschüttelt - aber hauptsächlich, weil die Autorin (!) es schafft, das auch im weiteren Verlauf des Buches nicht als wirklich tragisch darzustellen... Es klingt zwar an, dass der Herr eine Vorliebe für Frischfleisch hat, aber das wars auch. Irgendwie will ich nicht wirklich wissen, was für ein Frauenbild die gute Frau Slaughter hat - zumindest sind die in diesem Buch dargestellten Frauen alle ein bisschen... seltsam (na, wer von euch wollte sich schon immer mal durch eine Katzenklappe zwängen?) und verhalten sich ein bisschen bescheuert - mehrfach.

Aber die Herren der Schöpfung kommen auch nicht besser weg - Mr. Superagent, der Waise ist, misshandelt wurde, Analphabet ist und dennoch einen Doktortitel hat und die Spürnase schlechthin ist und sich mit seinen Einschränkungen irgendwie ganz gut durchs Leben schlägt - hallo, Klischeekeule! Dicht gefolgt von Mr. "saß 20 Jahre lang unverschuldet im Knast", der auch total konfus rüberkommt und die Frage erlaubt, ob er nicht auch sein Hirn im Gefängnis gelassen hat... Grundsätzlich sind da mehrere, wirklich spannende Ansätze drin, die man gut hätte ausarbeiten können - aber sie werden einfach oberflächlich miteinander verbunden und wer ein bisschen mitdenkt, stellt schnell Inkonsistenzen fest.

Ich weiß nicht, irgendwie ist mir die ganze Story zu konstruiert, zu viel (unnötige, wirklich einfach nur unnötige und irrelevante) Fäkalsprache, zu wenig Spannung und zu viel Altbekanntes, zu viel Abgefahrenes, zu sehr "Schema F"! Die Charaktere bleiben blass, ich konnte keinen so richtig leiden und bis auf Michael fand ich auch keinen so richtig scheiße - aber das liegt auch an mir und weniger daran, dass die Autorin es geschafft hat, den Charakter als Fiesling darzustellen (wenn man alles zusammenzählt, ist er vielleicht gar kein so mieser Typ - davon abgesehen, dass er halt einen Vollschuss hat...). Ob ich noch was von Slaughter lesen werde, weiß ich unter diesen Voraussetzungen ehrlich gesagt nicht...

Kommentare:

  1. Ich hab von der Slaughter vor x Jahren die Sarah-Linton-Serie gelesen... wobei ich, meine ich, nach Band 3 aufhören musste. Die Personen-Klischees, die du aufführst, gab es auch in der Reihe und darüber hinaus sind Slaughters Phantasieren noch perverserer als alles andere was ich so gelesen habe. Mir zu voyeuristisch. Torture porn-mäßig. Meine Phantasie ist für solche Autoren zu lebhaft - gilt übrigens auch für Cody McFadyen, den ich gerade mit Band 4 als Hörbuch auf dem Weg zur Arbeit höre.

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  2. ich finds gut, mal nicht nur Lobeshymnen über Bücher zu hören sondern ehrliche Meinungen ;) Von der Autorin habe ich noch nie was gelesen. Lasse ich dann wohl auch besser was ;)

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  3. @AliceIch bin da ja eigentlich nicht sonderlich zart besaitet - mich stört da eher, dass es einfach total plump und niveaulos ist. Einfach wie gewollt und nicht gekonnt...
    Aber gut zu wissen, dass es bei den anderen Büchern nicht besser ist - da kann ich mir die auch sparen.

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  4. @MarisolLobeshymnen gibts nur dann, wenn sie berechtigt sind! Nützt ja nichts, ein Buch in den Himmel zu loben, wenn man es einfach nicht gut findet - das wäre mir ehrlich gesagt auch zu blöd^^

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