Freitag, 28. Dezember 2012

Evolution und Schöpfung in neuer Sicht - Hans Kessler

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an einen recht intensiver Streit mit meinem Großvater, der inzwischen über 12 Jahre her ist - ich, Biologie-LK in der Kollegstufe mit einem eindeutigen naturwissenschaftlich-rationalen Einschlag vs. Opa, der mit seinen über 70 Jahren einen religiös geprägten Standpunkt hatte. Streitthema: Die Dinosaurier und die (nicht vorhandene) Vereinbarkeit mit der Schöpfungsgeschichte. Soweit ich mich erinnern kann, sind wir auf keinen grünen Zweig gekommen - aber genau aufgrund dieser Tatsache stürzte ich mich auf "Evolution und Schöpfung in neuer Sicht" von Hans Kessler, als es bei Blogg dein Buch im Aktionsangebot war.
Mit 188 Seiten (Text) ist das Buch von Butzom & Bercker kein Wälzer, den man gebunden (und mit Lesebändchen!) für 17,95€ z.B. bei Chrisbuch erwerben kann. Während auf der Rückseite mit "Kesslers Standortbestimmung von Naturwissenschaft und Theologie hat die Qualität einer Aufklärungsschrift." geworben wird, muss ich nach der Lektüre leider sagen, dass ich von dem Buch maximal mäßig begeistert bin - und das aus recht unterschiedlichen Gründen.

Zunächst ist das Buch (inzwischen in der vierten Auflage erschienen) aus meiner Sicht gar nicht so einfach zu lesen, wie vielerorts behauptet wird (ja, ich habe mir einige Rezensionen bei Amazon durchgelesen!) - ich finde es stellenweise sogar für Laien recht kompliziert. Wenn man mit den Begriffen nicht vertraut ist oder sich diese schnell wieder herleiten kann (manchmal ist es doch ein Segen, dass man Latein in der Schule hatte), darf man doch einige Zeit mit dem Hin- und Herblättern verbringen. Sprachlich ist die Ausführung stellenweise auch recht komplex und verschachtelt und verlangt vom Leser doch eine sehr hohe Aufmerksamkeit. Das mag auch dem Thema geschuldet sein - aber ich denke, man könnte vieles auch weniger hochtrabend verpacken; es geht mir nicht darum, Dinge zu banalisieren, aber es wird doch oftmals verkompliziert. Ich habe vor Jahren auch das eine oder andere Werk zum Thema Bibelcode bzw. wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Prophezeiungen etc. gelesen und fand die (damals schon!) deutlich angenehmer zu lesen, obwohl sie nicht weniger sachlich oder kritisch geschrieben waren.

Inhaltlich hat mich das Buch auch nicht glücklich gemacht - ich habe kaum Neues erfahren und das, obwohl ich mich nicht gerade als Profi in den Bereichen bezeichnen möchte. Nett fand ich ein paar Infos zum Kreationismus und zum Intelligent Design - ansonsten war mir alles schon mehr oder minder bekannt (an einigen Stellen meldete sich auch das Bio-LK-Wissen wieder und verursachte Bauchschmerzen, weil ich mit einigen Aussagen Kesslers nicht ganz so einverstanden war - aber das ist wieder ein anderes Thema) und insgesamt fehlte mir die schlüssig nachvollziehbare Zusammenführung der beiden Standpunkte. Der Ansatz bietet unglaublich viel Potenzial, das leider nicht ausgeschöpft wird - wobei ich persönlich denke, dass das gar nicht so komplizier ist, aber für mich hat dieses Buch das nicht geschafft.

Mir fehlt hier einfach die neue Sicht, die der Autor verspricht - zumindest eine für mich nachvollziehbare, neue Sicht. Denn Kritik an den unterschiedlichen Ansätzen ist keineswegs neu und auch wenn sie teilweise mit "aktuellen" Erkenntnissen widerlegt oder bekräftigt werden kann, so fehlt hier ein integrativer Ansatz, der die Verbindung beider Sichtweisen für einen aufgeklärten Menschen ermöglicht. Mir scheint, dass hier ein Nebeneinander nur unter gewissen Voraussetzungen möglich ist und wenn man dem Denkpfad Kesslers nicht folgen kann, bricht vieles zusammen. Wie gesagt - ich hätte mir hier mehr gewünscht und bin ehrlich gesagt doch ein bisschen enttäuscht...

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