Freitag, 9. November 2012

Saving Private Piepmatz

Irgendwie passieren dieses Jahr viele Dinge "zum ersten Mal" - neben der seltsamen Parkplatzgeschichte hatte ich heute Morgen ein weiteres Erlebnis der seltsamen Art... Nachdem ich nach dem Aufstehen mein Schlafzimmer lüften wollte, bin ich erstmal ins Arbeitszimmer gestapft, um ein bisschen fleißig zu sein. Auf dem Weg ins Bad hörte ich dann Krach aus meinem Schlafzimmer - es klang zumindest nach einem wilden Kampf von Etwas mit meinem Bügelbrett... Mein erster Gedanke war, dass sich da wohl ein Viech in mein Schlafzimmer verirrt hat - ehm, im Dachgeschoss? Außer einem Vogel kam da ja nicht viel in Frage - aber bei uns sind hauptsächlich Elstern und Krähen unterwegs und die sind dann doch eher groß...

Also erstmal gewartet, bis es wieder leise war und vorsichtig die Schlafzimmertür geöffnet - und erstmal nur das übliche Chaos gesehen: Mein Bett mit Decke drauf, meine Klamotten von gestern, Bügelbrett, Schrank, Fenster - sah alles wie immer aus... Es kam auch ansonsten kein weiterer Laut aus meinem Schlafzimmer und ich hatte mich schon damit abgefunden, dass da vielleicht was auch immer drin war, wieder draußen war, und wollte mein Fenster vorsichtshalber (und weil es einfach schon kalt im Zimmer war) wieder zumachen. Und aus dem Augenwinkel sah ich dann den Verursacher der vorherigen Geräuschkulisse: eine kleine Kohlmeise, die ein bisschen schräg auf meinem Teppich halb an der Wand lag.
Sie hatte das Köpfchen ein bisschen schief und ich war schon in Sorge, dass der Piepmatz sich irgendwas gebrochen hätte, aber sie atmete zumindest noch. Mit einem äußerst sinnvollen "Lauf nicht weg, kleiner Piepmatz, ich hole ein Tuch und rette dich!" machte ich mich auf den Weg, ein Küchentuch zu holen... Ich gebe zu - ich habe etwa drei Sekunden drüber nachgedacht, erst meine Kamera zu holen, diese idiotische Bloggerabsicht aber verworfen, weil mir das arme Vögelchen so leid tat (auf was für dämliche Ideen man manchmal kommen kann...) und ich nicht für ein Foto das Tierchen verrecken lassen wollte. Also heldenhaft Küchentuch organisiert, in die Ecke gequetscht und über die kleine Meise gelegt.

Dummerweise bewegte sie sich da gar nicht - eigentlich kenn ich das von so Vögelchen eher, dass sie sich dann ein bisschen regen, aber der kleine Piepmatz hat gar nix getan und ich hatte ein bisschen Sorge, obs überhaupt noch lebt... Also ganz vorsichtig hochgehoben, was nicht so einfach war, da der kleine sich mit den Krallen ein bisschen im Teppich verfangen hatte und auf das Schrägdach außerhalb meines Fensters gesetzt. Da rutschte das Tierchen dann aus meinem Tuch und landete knapp 20cm tiefer in der Regenrinne - und guckte mich an. Was war ich da erleichtert, dass der Piepmatz nicht hinüber, sondern anscheinend nur erschrocken und erschöpft war!
Fenster vorsichtshalber zugemacht - nicht, dass der Kleine auf die Idee kam, wieder in mein Zimmer zu hopsen und gewartet... Es dauerte elendig lange 15 Minuten, in denen ich mir schon überlegt habe, was man denn tut, wenn das Tierchen nicht wegfliegt (Tierarzt anrufen? Einfach sitzen lassen - und dann frissts irgendein anderer Vogel? Füttern?) - bis der kleine dann doch endlich weggeflogen ist... Gott sei Dank! Nach zweieinhalb Jahren das erste Mal Vogelbesuch im Schlafzimmer - und ich frage mich jetzt, ob ich im Sommer nicht ein bisschen vorsichtiger mit meinem Fenster sein sollte, sonst habe ich wirklich noch eine Elster oder eine Krähe im Zimmer und die lassen sich ja nicht ganz so einfach wieder heil nach draußen befördern...

Kommentare:

  1. Ooooh Lena! Was für eine Geschichte, ich hab richtig mitgefiebert... ein Glück, dass es der/dem Kleinen gut geht und er weggeflogen ist. Ich finds super, wie du dich gekümmert hast, ganz toll!

    Ich kenn das mit dem "Hm, Foto?!" auch. Immer, wenn einer meiner Nager-Nasen was Superniedliches macht, zucke ich nach dem Foto und ärgere mich manchmal sogar noch, wenn ich grad keine Kamera zur Hand habe -- anstatt den Moment zu genießen und mich zu freuen, dass ich es erleben durfte. Verrückt, aber mei. Hobbies prägen einen halt auch, und wenn man einen Blog hat, und die Kamera ein wichtiges Werkzeug ist, hat man eben einen anderen Blick auf manche Sachen. Solange mans nicht übertreibt.. was solls ;-)

    LG!

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  2. Diese Vogel-Fenster/Wand Situationen kenne ich mittlerweile und kann dir beruhigt sagen, wenn er sich noch bewegt gehts ihm ganz gut. Sie sitzen meißt noch eine ganze weile auf dem Fleck und versuchen sich zu erholen.

    Sie fliegen nun mal mit dem Kopf vorran. Ich würde auch nicht fliegen wenn ich mit Kopfweh und Schwindel zu kämpfen hätte. ^^
    Gut gemacht! Ich verleihe dir den goldenen Meisenknödel für deine Tapfere und heldenhafte Tat!! :DDD

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  3. Besser Kohlmeise als eine große dicke fette Krähe, ich finde diese schwarzen Dinger nämlich echt gruselig.

    Haste gut gemacht liebe Lena *auf Schulter klopf*. Und um deine Frage zu beantworten, was man denn dann tut, wenn der Vogel tatsächlich nicht mehr zu kräften kommt - hals umdrehen. Klingt hart, aber für so ein Wildtier ist das besser als wenn du es jetzt daheim in einen Käfig sperrst oder ihm die Untersuchung beim Tierarzt antust.

    GGGLG Ina

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  4. Ach was für ein süßes Vögelchen. Hast du alles richtig gemacht. Bei mir hätte das arme Ding wohl nicht überlebt :( Meine Katzen hätten ihn wohl vernascht. Mein Katerchen hat mir vor einigen Monaten ja nen Jungvogel geschenkt, den er im Flug, bei den ersten Flugversuchen gefangen haben muss -,- Lieb gemeint vom Katerchen, aber die kleine Blaumeise die so tot vor mir lag, tat mir dann doch sehr leid.

    Zum Glück erging es deiner besser. :)

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  5. *thihi* Wie das Viech auf dem zweiten Bild so grundempört guckt :D Hast du gut gemacht! Wir haben hier ja wenn leider nur Leichen, denn wenn sie gegen unsere, leeren und nicht bevorhangten, Fenster krachen, sind sie direkt tot :(

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  6. @CywIch sag dir, ich war auch froh, als der Kleine dann weg war - auf dass er nie wieder kommt! :)

    Ja, das Fotoproblem - solange man es nicht übertreibt, das isses :) Aber die Situation hat mir das einfach nur nochmal ins Bewusstsein gerufen. Piepmatz > Kamera!

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  7. @JulesJaja, ich weiß - die sind ja nicht so kreislauffit und Panik und Aufregung sind ja nicht sonderlich hilfreich... Aber man fragt sich ja doch, obs einfach nur gerade platt und schwindelig ist - oder nicht doch ernsthaft was kaputt gemacht hat.
    Deswegen war ich dann echt happy, als die Meise weggeflogen ist!

    Und vielen Dank für die Auszeichnung :P Wenns für den Friedensnobelpreis nicht reicht, dann der goldene Meisenknödel *yay !

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  8. @InaAlso bei ner Krähe hätte ich auch so meine Probleme gehabt - groß, schwer und nicht so einfach zu handlen... Neeee, will ich nicht!

    Ich bin ja froh, dass ich letztlich nicht überlegen musste, was ich tun soll - auch wenns manchmal einfach besser ist, das Tier zu erlösen, ich weiß nicht, ob mir das so einfach gefallen wäre...

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  9. @devillyIch hab hier ja keine Katze :) Bei meinen Eltern hätte der Piepmatz auch keine Chance gehabt - die bringt auch regelmäßig Jungvögel und Mäuse an... Ist halt ein Liebesbeweis!

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  10. @AliceIm Schlafzimmer hab ich eh schräge Fenster - da klatscht also nix dagegen. Und wenn im Wohnzimmer was dagegenfliegt, dann fällts wohl auf den Balkon der Nachbarn ^^ Aber da hab ich bisher nix gesehen...

    Hihi, ja, der Kleine hat schon einen sehr interessanten Blick draufgehabt, als er da so saß^^

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  11. Och, wie niedlich, ich liebe Meisen <3 Und es ist so schön, dass sie doch noch weggeflogen ist und anscheinend keinen großen Schaden davon getragen hat. Hast du sehr gut gemacht! :)
    Solche Erlebnisse hatte ich noch nie. Bei uns ist nur einmal ein etwas größerer Vogel (irgendeine Ammer-Art, glaube ich) mit Vollkaracho gegen das Küchenfenster geflogen und war leider sofort tot :(

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  12. @ErdbeerelfeIch sehr hier nur sehr selten Meisen, öfters eben Krähen und Elstern, deswegen hatte ich aucherst die Befürchtung, es wäre was Größeres...
    Ich hab auf der Arbeit nur immer Hummeln, die gegen mein Fenster dotzen - Gott sei Dank keine größeren Vögel!

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