Montag, 5. November 2012

Die Augen des Drachen - Stephen King

Irgendwie hab ichs gerade mit den eher ungewöhnlichen King-Büchern - "Die Augen des Drachen" ist nämlich kein Horror, sondern gehört eher in die Fantasy-Sparte. Im Gegensatz zu den sonstigen, sehr gegenwartsbezogenen Schauplätzen spielt die Geschichte im Königreich Delain und es kommt auch (wie man dem Titel entnehmen kann) ein Drache vor - allerdings nur ein toter.
Erzählt wird die Geschichte der beiden Brüder Peter und Thomas, die beide die Söhne des Königs sind. Peter, der eigentliche Thronfolger ist der perfekte Sohn und überhaupt ein Träumchen: Gerecht, pfiffig, anscheinend gutaussehend und generell einfach phänomenal. Thomas ist eher das hässliche Entlein, hat so seine Macken und ist definitiv kein Überflieger - und logischerweise neidisch auf seinen Bruder. Völlig überraschend wird er auch die Marionette des Hofzauberers Flagg (ein fieser, uralter Zauberer, der logischerweise nichts Gutes im Sinne hat und sowohl für den Tod des Königs, als auch für das Ableben dessen Frau bei der Geburt des zweiten Jungen verantwortlich).

Der Fiesling schiebt Peter die Schuld für den Mord am König in die Schuhe, dieser wird in einen Turm gesperrt und Thomas König. Mit List und Tücke (und einer pfiffigen Idee) gelingt es Peter aber irgendwann aus dem Turm zu entkommen und natürlich wird der Bösewicht zumindest vertrieben und am Schluss ist alles Friede, Freude, Eierkuchen - oder zumindest die Weltordnung im Groben wiederhergestellt und das Königreich nicht dem Untergang geweiht, wie es eigentlich Flaggs Intention war.

Während ich mir zu Beginn nicht sicher war, ob diese ungewöhnliche Geschichte überhaupt was Ordentliches sein könnte (passt ja so gar nicht zu King), habe ich mit zunehmendem Verlauf immer mehr Freude am Lesen entwickelt und fand es am Schluss schade, dass es schon vorbei war. Die Geschichte ist wirklich gut überlegt und eigentlich auch gespickt mit diversen Anspielungen moralischer Natur - Peter, der die Erziehung seiner Mutter sehr schätzt, was sich zu seinem Vorteil entwickelt und trotz seiner Position keinerlei Überheblichkeit entwickelt. Der alte König, der eine besondere Freude am Weinkonsum entwickelt - der ihm letztlich auch zum Verhängnis wird... Wer möchte, findet untergründig hier auch viel Subtext, während sich an der Oberfläche die klassische Gut-vs.-Böse-Geschichte abspielt.

Obwohl nur knappe 380 Seiten lang (zumindest meine Ausgabe, die noch zu den gekürzten zählt - inzwischen gibt es eine ordentliche Übersetzung mit gut 500 Seiten... Die wäre schon eher nach meinem Geschmack gewesen, aber ich fand das Buch auch so verständlich und zumindest halbwegs schlüssig.), fand ich dieses Buch wirklich lesenswert und spannend; ich hätte gar nicht gedacht, dass King auch auf dem horrorfreien Gebiet gute Ergebnisse liefern kann. Aber ich werde in diesem Bereich gerne überrascht!

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