Samstag, 27. Oktober 2012

Love - Stephen King

Nachdem sich hier irgendwie schon das nächste Buch auf meinem Gelesen-Stapel eingefunden hat, gibt es heute ein paar Worte zu "Love" von Stephen King. Das Buch hatte meine Eltern mal preisreduziert mitgenommen, einfach weil Stephen King drauf stand und sie wissen, dass ich ihn als Autor mag. Da die rückseitige Inhaltsangabe mit "Liseys berühmter Mann ist tot - und sein Nachlass weckt abtraumhafte Erinnerungen und Ahnungen in ihr, die bald grausame Gewissheit werden." nicht so wirklich spanennd klang, stand "Love" auch längere Zeit unbeachtet in meinem Regal, bis ich mich mal aufgerafft habe, den über 700 Seiten langen Wälzer mit in meine Badewanne zu nehmen.
Ich hatte eine kingtypische Horrorstory erwartet und wurde bei "Love", das im Original "Lisey's story" (viel treffenderer Name - warum werden so viele Titel nicht einfach übersetzt?) heißt, positiv überrascht, denn das Buch hat mehr zu bieten. Es geht um Lisey, die Witwe eines berühmten Schriftstellers, die von einem Stalker bedroht und verfolgt wird und sich dadurch wieder auf ihre "Liebe" und die Besonderheiten des Lebens mit ihrem Mann besinnt - zumindest grob zusammengefasst. Wie zu erwarten, gibt es einen Alltagskontext, der durch grausige und krasse Geschehnisse und bildliche Beschreibungen kontrastiert wird - das sind wir ja von Stephen King auch gewohnt. Neben der emotionalen Belastung durch den Tod ihres Mannes, kommt noch die Problematik um ihre Schwester, die psychisch doch eher labil ist, und dann noch die reale Bedrohung durch einen Irren auf Lisey zu.

Neben dem Wahnwitz der Situation ermöglicht gerade die "irre" Schwester Lisey den Zugang zu einer Welt, die ihren Mann als Mensch sehr beeinflusst und als Autor inspiriert hat - eine Fantasywelt, die vordergründig dem Schlaraffenland gleicht, aber zu bestimmten Zeiten auch ihre Gefahren hat. Das Buch ist sehr vielschichtig und damit nicht eine dieser schnellen Horrorgeschichten, die man gerne mal nebenbei lesen kann - als Leser muss man auch ein bisschen mitdenken, aber das mag ich auch sehr gern. Was den Lesefluss deutlich hemmt, sind die seltsam anmutenden Übersetzungen der Wortneuschöpfungen, die zumindest in meiner Ausgabe noch vorherrschend sind... Ich gebe zu, ich habe am Anfang mal gegoogelt, um den Sinn hinter dem einen oder anderen Wort zu erhellen - und das ist nicht unbedingt das, was ein gutes Buch ausmacht.

Aber gut - die Wahrscheinlichkeit, dass jemand unbedarft zu einem King greift, ist auch sehr gering... "Love" gehört für mich auf jeden Fall zu den lesenswerteren Werken, die nicht nur durch platten Horror, Schrecken und Grausamkeit im Gedächntnis bleiben, sondern eben durch eine gewisse Besonderheit in der Geschichte; durch Rafinesse und eine liebevolle Figurengestaltung, eine komplexe Storyline, die einige Interpretationsspielräume offen lässt und den Blick auf die unterschiedlichen Welten, in denen wir alle leben (nur hoffentlich nicht in dem Ausmaß, wie es im Buch teilweise beschrieben ist), wirft. Keine harmlose Frühstücksliteratur, sondern eben eher ein Wälzer - aber definitiv einer, der die Mühe wert ist!

Kommentare:

  1. Hey, das klingt interessant. Früher hab ich King verschlungen, bis das vor ner Weile schlagartig aufgehört hat. Aber das klingt doch mal wieder nach einem Buch, das ich gerne lesen würde... blöd, dass ich grade erst Geburtstag hatte *hmpf*

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  2. Hört sich gar nicht schlecht an. Ich bin imer entweder total enttäuscht oder total begeistert von einem King. Ein Mittelding scheint es da nicht zu geben..

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  3. @CywWeihnachten ist ja nicht weit :) Ist wohl allerdings eine Überlegung wert, ob man das nicht auf Englisch liest und die verhunzten Übersetzungen somit umgeht...

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  4. @maedchenIch glaube, King polarisiert einfach generell - hui oder pfui^^ Aber die meisten pfuis werden irgendwann doch mal huis :P

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  5. Ich lese King eigentlich nur im Original aber habe seit Wochen "ES" hier rumliegen und muss endlich mal anfangen :D

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  6. @kirschbluetenschneeOhhh "Es" habe ich auch schon gelesen - allerdings auf Deutsch, irgendwann in meiner Teeniezeit. Ich weiß, dass ich das Buch richtig, richtig gut fand (damals)!

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