Samstag, 8. September 2012

Fernab der Zivilisation

Da war ich doch im Urlaub. Im absoluten Nichts, am A.... der Welt, sozusagen. Und nachdem nach ein paar Bildern gefragt wurde, gibt es heute auch welche. Kurz zur Einordnung: Ich war zwei Wochen lang in den Masuren, im Nordosten Polens - die Käffer zu nennen würde keinen Sinn machen, denn es sind unglaublich unbedeutende, winzige (okay, eins davon hatte immerhin 93 Einwohner!) Minidörfchen, die sich lediglich durch zwei Dinge auszeichnen: Die Nähe zum jeweiligen See und einen Haufen Ferienwohnungen bzw. -häuser. Okay, man könnte die Abwesenheit eines ordentlichen Geschäfts noch dazuzählen...
Da auch das Wetter in diesen zwei Wochen sehr unsommerlich war und die Temperaturen eher so um die 17 Grad lagen, wurde aus dem Badeurlaub nichts - dafür konnten wir uns ein wenig in der Gegend umsehen und alle sogenannten "Sehenswürdigkeiten" unter die Lupe nehmen... Derer gab es nicht wirklich viele, aber eigentlich reichten auch die Landschaften und die grandiose Stille, mit der man am Ende der Hauptsaision schnell konfrontiert war, um das Gefühl von Abgeschiedenheit und Ruhe zu bekommen.
Die Seen haben meist kleinere Bademöglichkeiten - die netterweise als "Plätze, die zum Baden genutzt werden" bezeichnet werden und sich durch eine "ausreichende Wasserqualität" (das steht wirklich so auf den Schildern!) auszeichnen... Nebenbei sind da auch einige Fische in den recht naturbelassenen Seen, sodass man öfters auf Angler sowie Fischer trifft (zumindest zu gewissen Uhrzeiten). Segelbote, kleinere Bötchen oder Tretbote sowie Kanus sind auch gerne auf den Seen unterwegs; entweder Touristen, die nur mal kurz irgendwo gemietet haben und eine Runde drehen, oder im Rahmen größerer Touren, z.B. in die oder von der Ostsee.
Ein sehr interessantes Schauspiel konnten wir zufällig an einem unserer Seen beobachten: Innerhalb von etwa fünf Minuten sammelte sich eine riesengroße Menge Vögel (das sind die schwarzen Punkte da in der Mitte) auf dem See - sie kamen von irgendwo alle in einem Schwarm angeflogen, platzierten sich sehr zielsicher an genau einer Stelle am See und - ich tippe mal - fischten sich da ihr Futter. Das Ganze war wirklich possierlich anzusehen, da die Vögel nicht auf einem Platz vliegen, sondern sich nach kurzer Zeit anscheinend in einem abgestimmten Manöver bewegt und umplatziert haben.
Da die Masuren eine Seenplatte sind, kommt man wirklich alle Nase lang an einem mehr oder minder großen Gewässer vorbei - das natürlich nicht immer zum Schwimmen taugt, aber das war uns ob des schlechten Wetters auch egal. Auf jeden Fall fand ich die Landschaften sehr faszinierend und hätte auch einfach eine Stunde an so einem Ufer stehen können - wenn wir nicht ein ungeduldiges kleines Kind dabei gehabt hätten, das natürlich bespaßt werden wollte und nicht stillstehen konnte.
Neben hübschen Seen gab es aber auch generell sehr schöne Landschaften - z.B. eine Menge bewirtschafteter Felder, die sich ganz klischeehaft bis zum Horizont zogen und einem sehr deutlich machten, dass man wirklich fernab jeglicher Stadt war. Aber idyllisch war das Ganze auf jeden Fall und so haben die Spaziergänge auch immer Spaß gemacht, weil man sich auch auf kleine Dinge (z.B. die vielen kleinen Kröten!) konzentrieren konnte und auch an Kleinigkeiten seine Freude hatte.
Wenn man so durch die mehr oder minder unberührte Landschaft stapft, ist es auch gar nicht so tragisch, dass die Sonne nicht vom Himmel knallt - dann hätte das wahrscheinlich auch nicht so viel Spaß gemacht. Nett war es, wenn man irgendwo vom See über die Felder gewandert ist und auf einmal mitten auf einem Bauernhof stand - da waren nirgendwo Abgrenzungen und wir kamen uns schon doof vor, dass wir dann durch das Hoftor auf die "Straße" stehlen mussten. Aber wenn man mal Einheimische gesehen hat, waren die zwar etwas verwirrt, aber immer freundlich und sehr auskunftsbereit.
Man ist dort in der Gegend zwar an Touristen gewohnt - aber meistens sind das halt die Einheimischen, die wirklich nur zum Plantschen an den See kommen oder eben angeln wollen. Komische rumwandernde Leute sind da eher selten - wir haben zumindest keine weiteren getroffen (außer, sie hatten Sixpacks Bier in der Hand und kamen gerade vom einzigen Tante Emma-Laden im Umkreis von 10km). Was man gar nicht denkt, ist, dass es auch im Nichts das eine oder andere Schmuckstück gibt, so z.B. ein Freiluftmuseum, das eine Vielzahl originaler Bauernhäuser und Windmühlen aus unterschiedlichen Gegenden (und Zeiten) zur Besichtigung anbietet.
Generell gibt es viele historisch relevante Anlagen, die man sich dort in der Gegend angucken kann - man muss nur wissen, wo sie sind und wie man sie findet. Neben "offiziellen" Angeboten wie dem Freiluftmuseum gibt es auch viele Anlagen wie Burgen oder Burgruinen, die man kostenlos besichtigen kann. Auch aus dem zweiten Weltkrieg ist noch einiges vorhanden - zumeist einfach in der freien Natur und wird bei Bedarf von den ansässigen Dorfbewohnern mehr oder minder in Schuss gehalten.
Na, hat schonmal jemand aus einem Bunker geguckt? Die originale Schießscharte ist noch vorhanden und meine Kamera hat sogar ein halbwegs akzeptables Bild hinbekommen. Ich fand das schon sehr faszinierend, wie sich solche Bauten jahrzehntelang in der Natur halten - und wie viel Mühe es gemacht haben muss, sie da überhaupt aufzubauen... Es gab auch Panzer-Brems-Anlagen und eine Menge an ehemaligen Bunkerruinen, die recht verfallen mitten in irgendeinem Wald rumstehen - und anscheinend gibt es sogar geführte Touren zu solchen Anlagen: Als wir nämlich gerade aus dem Bunker rausstolperten, kam uns ein älterer Herr mit einigen Touris im Schlepptau entgegen und lud uns ein, an seiner Führung teilzunehmen (was wir allerdings aus Zeitgründen ablehnten).

Ich hab natürlich noch mehr Fotos - auch wenn sie nicht dem klassischen Food- oder Beauty-Spam entsprechen, den man ja sonst so im Allgemeinen gewohnt ist... Da ich aber nicht weiß, ob euch das interessiert, an dieser Stelle die Frage: Mehr Bilder und ein paar Infos? Oder lieber keine Bilder und kein sinnloses Urlaubsgeblubber mehr?

Kommentare:

  1. Ich finde Deine Bilder sehr schön und habe nichts gegen mehr davon :)

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  2. @BinaraDanke für deine lieben Worte :) Dann krame ich mal noch ein bisschen in meinen Bildern :)

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  3. Büh, den Post habe ich auf dem Handy gelesen und das hatte die Bilder nicht geladen..
    Ich hätte gerne noch mehr von den schnuckeligen Häuschen..

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