Samstag, 14. Juli 2012

Die Hülle des Schmetterlings - Sergej Kusnezow

"Die Hülle des Schmetterlings" ist eigentlich ein nichtssagender und gleichzeitig so vielschichtiger Titel, dass ich wohl nur aufgrund des Namens sicherlich nicht zu diesem Buch gegriffen hätte - aber dann kam noch das Titelbild dazu und irgendwie hat mich das so gereizt, dass ich noch den Klappentext gelesen habe und beschloss, mir dieses Büchlein mit 423 Seiten zuzulegen. Manchmal bin ich halt doch ein Opfer von interessanter Gestaltung!
Das Buch selbst - netterweise als Thriller bezeichnet - ist dann aber eine ganz andere Geschichte. Während der Klappentext recht harmlos auf einen der üblichen Serienmörderfälle tippen lässt, sollte man für die Lektütre doch ein etwas stärkeres Nervenkostüm haben - und das auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Einerseits ist der Autor sehr detailreich, was die Beschreibungen von Leichen und diversen Vorgängen angeht - man kann (oder sogar: muss) sich da so einiges sehr gut vorstellen, bei dem man im Fernseher vielleicht doch lieber die Augen zumacht. Wer also eine Aversion gegen blutige Beschreibungen hat, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Auch was gewisse private Praktiken der Protagonistin angeht, erhält der Leser sehr tiefe Einblicke - die Gute ist nämlich in der BDSM-Szene unterwegs und auch hier werden gerne Einzelheiten angebracht und detailreiche Beschreibungen genutzt. Nicht zuletzt ist das Buch neben diesen eher "technischen" Härten auch in Bezug auf die psychischen Hintergrunde und Vorgänge in den handelnden Personen nicht zuverachten: Man erhält einen perfiden Einblick in die Welt des Täters, in sein Verhältnis zu den Opfern und zur restlichen Welt und auch in die Blickweise von Xenia, der jungen Journalistin. Wenn man über die reine Brutalität der Darstellungen hinwegsehen kann, offenbart sich ein wirklich interessantes und vielschichtiges Buch - und eben nicht nur ein Splatter-Roman, der nur Schocken möchte.

Zugegeben - die Szenerie in Moskau und der etwas untypische Schreibstil mit vielen Perspektivwechseln tragen ihren Teil dazu bei, dass das ein reines "Hui oder Pfui"-Buch ist - entweder man mag es oder man findet es gnadenlos abstoßend und eklig. Ich kann beide Perspektiven nachvollziehen, aber trotz des teilweise doch herben Tons, hatte ich an keiner Stelle ein Fremdschäm-Gefühl - das ist finde ich auch die Kunst, bei einer offensiven Beschreibung dennoch ein gewisses Niveau zu wahren. Als ich mit dem Buch durch war, habe ich erstmal geschluckt - das war schon keine harmlose Lektüre... Man muss sich durchaus darauf einlassen und auch entsprechend distanzieren können - wer auch mit etwas krasseren Werken zurechtkommt, kann sich hier durchaus dran probieren; dem Rest würde ich doch eher einen Bogen drum empfehlen...

Kommentare:

  1. ui das klingt ganz nach lektüre für meine geschmack - wird sofort vorgemerkt:)

    Danke fürs Vorstellen !

    lg Cessa

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  2. Danke fürs Vorstellen! ich mags zwar auch mal blutiger, aber das klingt schon ganz schön happig.

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  3. Das Buch klingt genial - genau mein Geschmack! =D Und ich liebe Bücher, deren Handlungen in "realen" Orten / Städten / Ländern etc. stattfinden =D

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  4. :) Ist doch gut, wenn es Dir gefallen hat. ;)
    Danke wieder einmal für die super lieben Komplimente. Aber es hat ja auch viel mit Wohlfühlen zu tun und ich tue das einfach derzeit nicht. :D Irgendwie kommt das Problem auf Fotos auch nicht soo rüber...:/ *grübel* :D

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  5. @CessaWenn du das vor Ort kaufst - schau am besten mal rein und blätter ein bisschen... So kriegt man am ehesten einen angemessenen Eindruck.

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  6. @DivinaJa, ists auch... Vor allem, weil man das aufgrund des Klappentextes auf keinen Fall erwarten würde.
    Ist wirklich nichts für jeden - und muss es ja auch nicht :)

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  7. @EnanaHihi, also mir ist das immer ziemlich egal, wo was spielt. Aber gerade bei Russland muss man auch ein gewisses Faible für mitbringen - finde ich zumindest :) Sind ja zumeist auch russische Autoren und die haben eher einen... etwas anderen Stil.

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  8. @MiriMariBeim Wohlfühlen bin ich voll dabei - das ist auch wichtig. Aber man neigt auch sehr dazu, nur die negativen Dinge an sich selbst zu sehen ;)

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