Samstag, 17. März 2012

Gestatten, Lena Kannstdumal

Ich glaube, ich habe mein zentrales Problem erkannt, das zu häufiger Unzufriedenheit meinerseits führt: Mein Name ist Lena Kannstdumal. Alternativ bin ich Frau Kannstdumalschnell, Frau Kannstumalkurz oder auch Frau Kannstdumaleben. Wenn ich nicht gerade sowieso knatschig wäre und diese "kannst du mal"s sich in den letzten Wochen gehäuft hätten, wäre mir das wohl gar nicht so richtig aufgefallen - bzw. hat es eigentlich lange genug gedauert, BIS es mir mal aufgefallen ist.

Auf der Arbeit sprach mich eine Kollegin letztens an, ob ich denn nicht für einen besonderen Anlass ein paar Muffins machen könnte. Ohne groß nachzudenken habe ich zugesagt - ich backe gerne und Muffins sind kein megagroßer Aufwand. Irgendwann fing ich dann an, darüber nachzudenken, was für Muffins ich backen will und da kam mir ein Satz ins Gedächtnis, den sie sagte: "Dann kannst du mich zumindest da etwas entlasten." Ich meine - hey klar, ich helfe gerne (ich Idiot bin ja nett), aber irgendwie hat mir das zu denken gegeben... Wer entlastet denn mich? Ich such mir ja schließlich ein Rezept aus, muss die Zutaten besorgen (ja, es muss nicht teuer sein, aber Kleinvieh macht halt auch Mist), mich in die Küche stellen und das Zeug dann irgendwie transportieren. Der Dank? Naja, wie halt üblich: "Danke, Lena Kannstdumal!"

"Kannst du da mal fix drüberlesen? Sind nur 15 Seiten." Ist die nächste bitte, die mich kürzlich erreichte. Hmm, ja, 15 Seiten ist nicht die Welt - aber wenn ich etwas korrekturlese, mache ich das ordentlich und gewissenhaft und da gehen für ein paar Seiten mehr als nur 10 Minuten drauf. Und was gibts hier als Dankeschön? Naja, nicht sonderlich viel mehr als ein Standard-Dankeschön.
 
Auch der Satz "Du, ich hab das jetzt nicht zum vereinbarten Termin geschafft - du müsstest das bis morgen lesen und deine Anmerkungen geben, damit ich die noch einarbeiten kann." ist nichts Neues - Frau Kannstdumal kann ja alles stehen und liegen lassen, damit die verplante Frist doch noch eingehalten werden kann. Wenns an der Stelle überhaupt ein Dankeschön gibt, ist das schon viel.

Viel interessanter sind aber die Reaktionen, wenn Frau Kannstdumal eben mal nicht kann... Dann wird versucht, mich zu überreden mit den grandiosen Argumenten wie "das geht doch total schnell!" und "aber beim letzten Mal..." oder "aber du kannst das so gut!". Wenn das dann auch nicht zieht, wird ordentlich geschmollt und es wandern böse Blicke zu mir, alternativ herrscht auch eine Zeit lang Funkstille - bis das nächste "kannst du mal?" ansteht.
 
Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne helfe - aber ist denn ein bisschen Wertschätzung dafür zu viel verlangt? Nach dem x-ten Mal kann das auch mal mehr als ein "Dankeschön!" sein - denn einen Austausch an "kannst du mal"s gibts nicht. Ich verlange keine täglichen Geschenke oder Brillianten - aber es wäre einfach nett, wenn man es zu schätzen wüsste, dass ich Zeit und Mühe investiere, um zu helfen. Und da ich davon in letzter Zeit doch eher wenig bekommen habe, schalte ich jetzt eben um auf Frau Kannmalnicht. Fällt mir nicht leicht, aber irgendwie muss man ja zusehen, wo man bleibt - oder?

Kommentare:

  1. @maedchenJa, was denn? :P Und für DICH kann ich! Du bist nämlich nett :x

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  2. Äh..Du solltest mal Deinen 'Nachnamen' ändern - entweder in 'Dukannstmichmal' oder in 'Kotzmichnichtan'. Diese Namen haben sich bei mir bisher sehr bewährt.

    lg

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  3. Ja kenn ich nur zu gut...ich hab früher immer ja und Amen gesagt, bis ich dann explodiert bin und mittlerweile kann ich auch gut Nein sagen;)

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  4. Adoptier die Leute einfach und mach sie auch zu "kannstdumals". Ist normal, dass Leute Gutmütigkeit ausnutzen, sowas liegt in der Natur des Menschen! Und wenn sie dir nicht genug Dankbarkeit zeigen, solltest du sie einfordern... Sicher können auch die mal Muffins für dich machen, was für dich lesen oder was auch immer ;)
    Gez. eine der Kannstdumals ;)

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  5. oh ja kommt mir bekannt vor, nein sagen fällt mir leider auch ziemlich schwer :/

    liebe Grüße

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  6. Oo Das lässt du mit dir machen? Sowas egoistisches wie zur Hilfe genötigt werden hätte ich schon lange mit ensprchenden Sprüchen und Missachtung der betreffenden Person gestraft. Wenn demnächst einer ankommt, überleg dir doch vorher erst mal was, oder besser wann derjenige zuletzt für dich getan hat. Und vor allem: Ob er dafür eine Gegenleistung erwartet hat. Eine gute Methode, wahre Kollegen/Freunde herauszufiltern.

    Lass dich nicht ausnutzen! Du bist viel zu gutmütig. Sag einfach nein. =)

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  7. @ElenaIch bemühe mich schon sehr um "Dukannstmichmal" - im Privaten funktioniert das auch ganz gut, auf der Arbeit ist das nicht ganz so einfach, leider...

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  8. @AnnaIch bin ja kein Ja-Sager, aber gerade wenns um wichtige Sachen geht (die auch noch teilweise auf mich zurückfallen), ists halt schwer...

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  9. @pippasaliEinfordern wäre ja ne gute Idee - funktioniert nur leider nicht... Ich arbeite leider mit einem Haufen Egos zusammen, die außer sich selbst nichts für wichtig erachten...

    Grundsätzlich finde ich die Einstellung ja auch nicht falsch - es wäre nur schön, wenn mal was zurückkäme...

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  10. @Jules"Mit sich machen lassen" ist halt so eine Sache - gerade wenn man gemeinsam an etwas arbeitet, ist man ja schon von der Sache her gezwungen... Das ist ja das Problem, ich stecke da ja teilweise einfach mit drin und muss dann "ausbaden" - wenn ichs nicht tue, gibts Rüffel von oben (und da brauch ich gar nicht versuchen, was zu erklären)...

    Wahre Freunde bzw. Kollegen kann ich an einer Hand abzähöen - das weiß ich schon. Und ja, ich bin einfach zu nett an vielen Stellen :( Aber ich versuche, mich zu bessern!

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  11. @Schubidu Das mit dem Nein-sagen geht schon... Aber die Reaktionen darauf sind halt sehr erstaunlich - als ob ich per se verpflichtet wäre, jeden Mist zu machen.

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