Samstag, 22. Oktober 2011

Wenn die Lena sich die Finger anmalt...

Liebe Kiki, ich hoffe, ich kann dir mit dem folgenden Posting ein bisschen helfen, auch wenn es (aus meiner Sicht) kein richtiges Tutorial ist. Das ist vielmehr einfach meine Art und Weise, mir die Pfötchen zu lackieren - hier und da ist sie sogar gut überlegt und logisch nachvollziehbar, aber im Endeffekt gibt es wahrscheinlich auch zig andere Wege, es "richtig" bzw. zufriedenstellend zu machen. Es folgt eine wall of text - wer kein Interesse hat, kann also hier abschalten.

Nach dem ersten Gedanken "Ach klar, beim Lackieren knipsen ist doch kein Thema!" kam sehr schnell die Frage "Ehem... Moment... Mit der einen Hand die andere anmalen - und womit fotografieren?". Ohne Stativ ist das Problem vielleicht gut erkennbar, aber selbst ist die Frau! Auch wenn es ein bisschen gedauert hat, habe ich mir also mit Pappe, Panzertape und einer Schere eine kleine Box gebastelt, in die ich oben meine Kamera einlegen kann und die dann mit Selbstauslöser meine grandiosen Lackierkompetenzen festhält - deswegen auch der farbenfrohe Papphintergrund.

Die Fotos sind von der ersten Schicht Farblack, da man bei einem durchsichtigen Basecoat einfach gar nichts sieht und die weiteren Schichten dann auch eher schwer voneinander zu unterscheiden sind. Ich verwende immer einen Basecoat, erstens schützt der vor Verfärbungen und zweitens gleichen sich so auch kleinere Unebenheiten im Nagel aus. Wichtig ist auf jeden Fall, den Unterlack gut trocknen zu lassen, sonst zieht sich die Trockenzeit des Farblackes ewig hin.
Wie erkennt man, ob eine Lackschicht trocken ist? Da gibts mehrere Methoden: ich fahre, wenn ich unsicher bin, ganz vorsichtig mit einem anderen Finger über den Lack - klebts, ist rutschig oder stockt man, noch trocknen lassen. Draufdrücken geht natürlich auch - hinterlässt aber unter Umständen unschöne Spuren, die dann auch mit Farblack drüber noch zu erkennen sein können. Alternativ kann man auch die Lippen oder Zungenspitze hernehmen: An der Lippe gehts auch um die Klebrigkeit, mit der Zungenspitze eher der "Geschmack" - ein trockener Lack schmeckt nicht, bei einem noch feuchten kriegt man schnell einen chemischen Hauch mit und auch ein bisschen um die Konsistenz, die man mit der Zunge erspüren kann. Um die Sache zu beschleunigen kann man natürlich DryDrops oder Trockenspray zur Hilfe nehmen - allerdings sind die auch alle unterschiedlich gut oder schnell. Bei den essence-DryDrops auf jeden Fall die ölige Schicht dann abwaschen, bevor man weiterlackiert! (Andere Trockenhelfer habe ich nicht und kann nichts dazu sagen.)

Vor dem Auftrag des Farblacks checke ich erstmal das Pinselchen und die Konsistenz des Lackes: langer oder kurzer Pinsel, breit oder schmal? Dünnflüssiger Lack oder doch eher zähflüssig? Das hat entsprechende Auswirkungen auf die Menge an Lack, die ich mit dem Pinsel auf den Nagel befördere: Flüssige, dünne Lacke brauchen weniger Lack, eher zähe ein bisschen mehr, damit man gleichmäßig lackiert. Beim Pinselchen ist das Geschmackssache, aber je nachdem, wie gut er auffächert, braucht man eben weniger Züge pro Nagel. Ich ziehe den Pinsel immer auf einer Seite an der Flasche ab und habe somit nur an einem Ende Lack:
Je nachdem, mit welcher Hand ich lackiere, ziehe ich entweder am rechten Rand des Fläschchens ab (linke Hand) oder am linken Rand (rechte Hand). Dann muss ich den Pinsel nämlich nicht noch einmal umdrehen, um den Lack auf den Nagel zu bringen. Dann gehts auch schon ans Eingemachte. Auf vielen Lacken ist eine Anleitung á la "einen Tropfen auf den Nagel setzen und damit den kompletten Nagel lackieren" angegeben. Das funktioniert bei manchen Lacken - und bei anderen gar nicht. Da muss man einfach bissl rumprobieren - bei flüssigen Lacken kann man ohne Probleme nachbessern, eher zähe Konsistenzen machen es einem schwieriger, ziehen dann unschöne Fäden oder man produziert Batzer beim Drüberlackieren.
Mit etwas Lack am Pinsel geht der Spaß dann auch schon los. Wo setzt man denn den ersten Strich an? Ich mache das relativ weit hinten am Nagel, aber nicht ganz am Rand - ich habe gerne hinten ein bisschen nackten Nagel vor der Nagelhaut. Ob man links, rechts oder in der Mitte anfängt, ist Geschmackssache, ich fange mittig an. Dann einfach mit sehr wenig Druck (aber wirklich nur ganz wenig, sonst zieht man den ganzen Lack wieder ab - ich lackiere einfach sehr dünn und fühle mich damit wohler, wer dicker lackiert, braucht gar keinen Druck und muss den Pinsel nur sanft nach vorne ziehen) den Pinsel zur Nagelspitze ziehen.
Je nach Pinsel und seiner Fächerwilligkeit reichen manchmal zwei Streifen, manchmal brauchts drei oder vier. Dementsprechend verschiebt sich auch die Startposition, aber die Mitte ist eigentlich immer ein guter Ausgangspunkt. Mitte - links - rechts und fertig ist der Nagel. Wenns irgendwo daneben geht, ist das erstmal überhaupt kein Problem - das lässt sich alles im Nachhinein beheben und kann beim Lackieren einfach ignoriert werden (außer, man hat am Rand zwischen Nagel und Haut sehr viel Lack, der sich dann ein bisschen nach oben anstaut. Das sollte man zügig entfernen, ansonsten gibt es unschöne Trocken- bzw. Bruchspuren beim Entfernen.).
Das NYX-Pinselchen fächert eigentlich ganz schön auf, ich hatte aber beim Mittelfinger zu wenig Lack mitgenommen... Also nochmal ab ins Fläschchen - wenn ich nur kleine Mengen brauche, lassen die sich gut innen am Rand der Flasche abnehmen, also dort, wo die Reste vom ersten Abstreifen sind. Wichtig ist auf jeden Fall, den Pinsel nach vorne gut abzuziehen, dass die Nagelspitze auch Lack abbekommt. Ansonsten entsteht sehr schnell (also sobald der Lack trocken ist) Tipwear, weil eben nicht der komplette Nagel Farbe abbekommen hat. Schaut unschön aus und ist natürlich nicht der Sinn der Sache, aber man kriegt recht schnell raus, wie man das verhindert.
Tja, eigentlich war das schon das ganze Geheimnis... Wenn ich für mein Gefühl zu nah an die Nagelhaut lackiert habe, lässt sich das gut mit einem Q-Tip und etwas Nagellackentferner korrigieren, wenn der Lack gut getrocknet ist. Hautmalereien gehen gut beim Händewaschen oder unter der Dusche weg (auch hier wichtig, dass der Lack ordentlich durchgetrocknet ist. Das mache ich meistens am nächsten Morgen.). Einen Nagellackentfernerstift habe ich nicht, aber der macht das alles sicherlich ein wenig einfacher als ein Q-Tip.

Sooo, Kiki... Noch irgendwelche zentralen Fragen offen? Wenn ja, immer her damit...Meinen Kameraaufbau hab ich noch, kann also ansonsten auch noch ein paar Fotos schießen (wobei das Lackieren dadurch ein wenig ungewöhnlich ist - ich weiß gar nicht, ob ich auf das Kameradisplay oder von schräg unten auf meine Hand schauen soll...). Ich hab sogar ein Video gedreht, allerdings gerade gar kein Bearbeitungsprogramm und das war auch eher so ein Schnellschuss... Wie gesagt, wenn noch was gewünscht wird immer her mit den Anfragen - ich geb mir alle Mühe, auch wenn ich kein Profi vom Fach bin.

Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank Lena. Das ist wirklich hilfreich. Vor allem das mit dem "Wann ist der Lack trocken" ist gu erklärt. Ich ekel mich zwar ein wenig davor einen lackierten Fingernagel in den Mund zu nehmen aber mit dem leicht drauf"tatschen" das könnte klappen. Aber der Post war so ausführlich, das erstmal keine Fragen offen bleiben. Von nun an heißt es jedoch für mich üben. Zum Glück habe ich 2 rosane die man kaum sieht, einen grauen, einen beigen und einen Apricotfarbenen mit dem ich üben kann :-)

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  2. toller beitrag :)


    ich verlose auf meinem blog eine american flag shorts, schau doch vorbei

    Lady-Pa

    xoxo

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  3. @Sara Bow: Vielen Dank :)

    @Kiki: gern geschehen :) Zum Thema "Trockenheit": man riecht auch ganz deutlich, wenn der Lack noch feucht ist... Mit der Lippe oder Zunge macht man halt einfach weniger Macken auf den Lack, aber ist ja eh alles Geschmackssache! Beim Drüberfahren einfach nur sehr vorsichtig sein! Üben ist immer gut ;) Bei Nudefarben kann man meistens ohne viel Rumgetue auch mit den Macken leben und man sieht es nicht, wenn irgendwo drübergemalt wurde.

    @Lady-Pa: Danke für das Kompliment :) In Größe S passt wohl mein linkes Bein, das rechte bräuchte ne Extrahose ;) Aber ich wünsch dir viel Spaß bei deiner Verlosung!

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