Freitag, 15. April 2011

Die lieben Nachbarn

Heute hatte ich ein Erlebnis der eher seltsamen Art - und wie man merkt, geht es mir auch noch im Kopf herum. Ich war nachmittags mit meiner Nachbarin und deren Anderthalbjährigen beim Einkaufen. Als wir wieder im Haus waren und vollbepackt mit Kind, drei Einkaufstüten und einer Rolle Küchentücher unterm Arm die Treppe hochstapften, wurde ich von der Nachbarin angesprochen, die direkt unter mir wohnt.

"Ach, wie GUT, dass ich Sie mal sehe!" - In meinem Kopf schrillten schon sanft die Alarmglocken, was zur Hölle will die gute Frau denn jetzt wieder von mir? Das letzte Mal, dass sie mich ansprach ging es darum, dass ihr anscheinend die Putzgewohnheiten unserer Etage nicht zusagten (die Nachbarin auf meiner Etage und ich putzen halt nicht wie der Drachen unter mir jede zweite Woche die Treppe, weil das einfach auch unnötig ist...). Also blickte ich sie nur fragend an und wartete ab. "Ja, ich wollte Sie mal fragen, was Sie denn immer so laut in Ihrer Wohnung machen. Schieben Sie da ihre Möbel jedes Mal rum oder wie?"

Erm... Wie bitte? Ich hatte keinen Plan, was sie meinte und habe ihr das auch mitgeteilt. Als ob ich übermäßig laut wäre, wie ich da so auf meiner Couch rumsitze oder 23:35 Minuten lang ein paar Fitnessübungen mache? Aber der Hammer kam dann ja auch erst noch - die Szenerie immernoch: meine Einkaufspartnerin mit Kind und ich, mit insgesamt drei Tüten plus Küchenrolle auf der Treppe stehend. "Ja, ich hör Sie ja auch immer, wenn Sie zur Arbeit gehen. Sie klappern da immer so laut mit den Schuhen." BITTE WAS??? Ich gehe - zugegebenermaßen desöfteren mit Absatzschuhen - die Treppe runter. Ja, ich wohne im dritten Stock, das heißt, ich muss auch ein paar Treppen bewältigen. Aber, bei aller Liebe - ich gehe GANZ NORMAL die Treppe runter. Ich versuche nicht, auf den allerleisesten Sohlen runterzuschleichen, sondern bewege mich ganz normal die Treppe hinab. Und da ich Fersen habe, benutze ich die auch zum Gehen - sorry, so wurde mir das beigebracht.

Meine Einkaufsnachbarin musste sich einen Kommentar verkneifen (den wir dann natürlich bei einem Tee auspalavert haben) und ich war erstmal ein wenig baff, wie man sich denn über sowas aufregen könne. Ich, alleinlebend, keine Parties in der Wohnung, keine laute Musik, kein ständiges Türenknallen - werde dann angemault, weil ich zu laut gehe? Galant habe ich diesen Kommentar dann übergangen und hab meine Sachen erstmal in die Wohnung hochgetragen. Dann Schuhe ausgezogen, Hausschuhe an (ja, ich trage in meiner Wohnung Hausschuhe! So flauschige, bequeme Dinger.) und wieder runter zum Lästern. Kaum wollte ich in die Tür zu meiner Leidensgenossin, sprach der Drache: "Ach und jetzt mit Puscheln unterwegs!"

Beim Tee und ein paar Süßigkeiten wurden mir dann noch weitere witzige Geschichten erzählt, die sich aufs Schneeschippen mit einem Kleinkind oder das Treppenhauswischen bei Abwesenheit bezogen - denn die Aktion des Drachen ist bei meiner Nachbarin auf der Liste der abstrusen Dinge gelandet, die sie schon mit ihr erlebt hat.

Und da frage ich mich einfach, wie man drauf sein muss, dass man sich über jede Kleinigkeit aufregen kann. Mir sind auch schon oft Geräusche aus der Wohnung unter mir aufgefallen, aber dann stellt man halt den Fernseher lauter oder macht das Fenster zu, wenn die Herrschaften mal wieder auf dem Balkon in voller Lautstärke quatschen. Oder wenn mal wieder Rauch in meine Wohnung wabert. Oder der Fernseher von unten in einer übermäßigen Lautstärke bei mir ankommt - mein Gott, ich könnte mich da drüber aufregen und meine Nachbarn belästigen. Aber man kanns auch sein lassen, oder?

Ich bin mir zumindest keiner Schuld bewusst und meine Nachbarin sagte mir auch, dass sie den Drachen häufiger Krach machen hört bzw. zur Arbeit gehen hört. Mich hingegen nie - was natürlich seltsam ist, da ich an beiden Wohnungen vorbei muss... Ich bin schon ganz gespannt, wann der Drachen bei mir an der Tür klopft, weil ich "meine Möbel wie wild in der Wohnung rumschiebe"... Sachen gibts...

Kommentare:

  1. herrje, das klingt ja... ähm, unbeschreiblich? ich weiß nicht, solche menschen haben doch einfach nichts besseres zu tun ^^
    ich für meinen teil rege mich auch über meine nachbarn auf. die stellen zb ihren jüngsten zwerg der gerade erst krabbeln kann an die treppe und lassen den stundenlang nach seinem papa blöken, der in der wohnung darüber renoviert. dass der gerufene das nciht hört ist klar. und dass die mama dadurch mal endlich eine auszeit von dem quälgeist hat war ja aaaaaaaabsoluuuuuut nicht geplant! naja. nebenbei dann noch das gekloppe in der zurenovierenden wohnung. kommt vor. renovierung ist nun vorbei und der papa scheinbar in der neuen wohnung eingezogen. schreimonster schaffts die treppen immer noch nicht alleine hoch und das papageschrei ist mittlerweile ein ritual. nagut, dann höre ich eben entnervt laut musik.

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  2. Hach je, über Kindererziehungsfehler könnte ich ja auch erzählen... Gott sei Dank ist der Kleine von meiner Nachbarin noch zu klein, um irgendwo alleine rumzustehen ;)
    Musik aufdrehen ist aber bei Kindergeschrei das einzige was hilft, Eltern sind da ja meistens sehr eigen... Ich leide auf jeden Fall seelisch mit dir!

    Aber auch nach einer Nacht drüber geschlafen habe ich keine Ahnung, was der Drache von mir wollte... *shrug*

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  3. ganz ehrlich, ich habe auch keine ahnung von kindererziehung. und aus genau dem grund (und aus noch weiteren *hust!*) schaffe ich mir keine kinder an. wenigsten hilf die musik dann auch wirklich...

    bin ja gespannt auf die nächste story deines hausdrachen. hört sich jedenfalls so an als würde die nächste nicht lange auf sich warten lassen =/

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  4. Ich bin auch gespannt... Bin Ostern erstmal ein paar Tage nicht da, also werde ich ihr entgehen. Ich überleg inzwischen schon bei jeder Sache, ob das nicht zu viel Krach macht für den Hausdrachen (und gleich danach denke ich, wie hohl ich bin, dass ich mir da Gedanken mach^^)...

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